Die Meldung zum 60. Jahrestag, wie sie von
einer Agentur für Tageszeitungen aufbereitet wurde. Auch bei dieser
Meldung scheint das Buch von Frau Moessner-Heckner Pate gestanden zu
sein.
In nur 17 Minuten starben in Pforzheim 20
000 Menschen
Von Wolf Günther
Das Sterben der Stadt und seiner Menschen dauerte
nur 17 Minuten. Am 23. Februar 1945 lag Pforzheim um kurz nach 20 Uhr in
Schutt und Asche. 20.000 Menschen kamen im Feuersturm um, jeder dritte
Einwohner.
Die Goldstadt, in der Badens Markgraf Karl Friedrich anno 1767 die
"Bijouterie" genannte Herstellung von Uhren und Schmuck
begonnen hatte, erlebte einen der konzentriertesten Angriffe auf eine
deutsche Stadt im Zweiten Weltkrieg. Die Zahl der Toten und das Ausmaß
der Zerstörung lagen im Verhältnis zur Größe weit höher als bei den
Angriffen auf Hamburg, Dresden und sogar auf Hiroshima.
Das Inferno hatte am frühen Freitagabend begonnen: Im englischen
Little Staughton gab Befehlshaber Arthur Harris mit der Operation
Clarion den Befehl zum Angriff. Um 19.49 Uhr heulten die Sirenen, das
Höllenfeuer begann: 368 Mosquitos und Lancaster der "British Royal
Air Force" warfen 28 000 Zentner Luftminen, Spreng- und
Brandbomben, Phosphorkanister und Flammstrahlbomben auf die Stadt und
zerstörten damit eine Fläche von 237 Hektar - so viel wie 330
Fußballfelder.
Als Folge des Bombardements raste ein Hitzeorkan mit Temperaturen von
bis zu 1700 Grad durch die Innenstadt. Viele wurden im Bombenhagel
zerfetzt und erschlagen, die meisten erstickten in Kellern und Bunkern.
Selbst im 60 Kilometer entfernten Tübingen war der glutrot gefärbte
Himmel zu sehen, erinnern sich Zeitzeugen. Die Gewalt des Feuersturms
wird auch daran deutlich, dass später Briefpapier eines Pforzheimer
Arztes in Stuttgart und angesengte Geschäftspost einer Pforzheimer Bank
sogar am Bodensee gefunden wurden. Neun Tage lang brannte die Stadt.
Pforzheim sei in das "Zielsystem Mitteldeutschland" eher
zufällig hineingezogen worden. "Es starb grundlos und wurde
zerstört, weil es noch nicht zerstört war", schrieb die
US-Historikerin Ursula Moessner-Heckner in ihrem Buch "Pforzheim
Code Yellowfin". Zwar seien auch in Pforzheim Zünder und
Präzisionsinstrumente produziert worden, doch eine militärische
Notwendigkeit habe nicht bestanden. Diejenigen, die der Feuerhölle
entkamen, sind die schrecklichen Bilder nie losgeworden: "Wir waren
eigentlich schon tot. Durch den Rauch im Keller sind wir eingeschlafen.
Irgendjemand hat uns durch einen Bombentrichter ins Freie getragen, wo
wir zu uns kamen", erinnert sich Else Lauber (72). Ihr Bruder
Manfred (76) sagt: "Menschen wurden bewusstlos aus dem Keller
gezogen und in Unterführungen an die Wand gesetzt.
Manche kamen wieder zu sich. Andere saßen Tage später noch tot
dort. "Inge Weileder (75) kam durch, ihre Mutter nicht: "Sie
wurde nie gefunden." Durch die Gluthitze seien Körper auf
Schuhgröße zusammengeschrumpft. Auch den Siegern des Zweiten
Weltkrieges bot sich ein grausiges Bild. "Pforzheim war im wahrsten
Sinne des Wortes eine Hölle auf Erden, die einst blühende Stadt ist
heute eine Geisterstadt."60 Jahre nach der Bombennacht steht
Pforzheim, mit 116 000 Einwohnern die achtgrößte Stadt im Südwesten,
als Zentrum der Region Nordschwarzwald in neuer Blüte. Doch die
schmerzliche Erinnerung bleibt. Am 23. Februar gedenken die Pforzheimer
des Angriffs. aus der Stimme -> hier |