Eine Seite gegen das Vergessen und gegen alle Kriegstreiber
Feuersturm über Pforzheim - www.23-Februar-1945.de

Texte aus dem Internet - 04 

Eine Engländerin schreibt gegen den Bombenterror und setzt sich mit der Argumentation der bombenden Nationen noch während des Krieges auseinander, sammelt Fakten und zitiert Zeitungen und Zeugen der Luftangriffe. 

Der Text - erschienen 1944 - Schwerpunkt 1943 - erhält im Bezug auf den Angriff am 23. Februar 1945 gegen Pforzheim deshalb eine besondere Bedeutung, da seine Existenz aufzeigt, dass zum Zeitpunkt dieses Angriffs allen Beteiligten die Grausamkeit der Flächenbombardements gegen die Zivilbevölkerung in allen ihren Facetten klar gewesen sein muss.

Der Text stellt ebenfalls heraus, wie unterschiedlich die Angaben über Tote und Verletzte bei einem Angriff sein können. Nach wie vor erscheinen die vom offiziellen Deutschland veröffentlichten Zahlen untertrieben.  

Ein lesenswerter Text, der nicht nur in der generalisierenden Betrachtung hängen bleibt, sondern konkret auf die Bombardements deutscher Städte eingeht.

Publikationsdaten: "Seed of Chaos : What Mass Bombing Really Means" by Vera Brittain (London, New Vision Publishing Co, 1944) - Distributed in the USA as "Massacre by Bombing: The Facts Behind the British-American Attack on Germany" by Vera Brittain , March 1944, Part Two, Vol. X - No 3. )

Vera Brittain (1893 - 1970) war eine bekannte englische Feministin und Pazifistin. Insgesamt hat Vera Brittain 20 Bücher geschrieben. Das bekannteste ist unter dem Titel "Testament der Jugend" (Original: Testament of Youth) 1933 erschienen. 

Die Autorin arbeitete während des 1. Weltkriegs freiwillig als Krankenschwester. Durch den Krieg verlor Vera Brittain ihren einzigen Bruder, ihren Verlobten und zwei ihrer Freunde. Diese Erlebnisse machten sie zur Pazifistin.



Massaker durch Bombardieren
von Vera Brittain

 

Deutsche Übersetzung: 

"Die Zerstörung deutscher Industriestädte geht mit zunehmender Geschwindigkeit voran....Berlin ist jetzt "ein" Schlachtfeld. Die Zerstörung anderer kleinerer Ziele wird noch weniger Zeit erfordern." General George C. Marshall, February 4, 1944, N. Y. Herald Tribune.

Wie hoch ist die Akzeptanz und das Verständnis der amerikanischen und britischen Bürger für die Politik der totalen Vernichtung mit Bomben? Denn jetzt werden auch die Zivilbevölkerung des Gegners und in den Ländern, die vom Feind besetzt sind, einschließlich der im Krieg geborenen Kinder, in tiefes Leid gestürzt! Die Propagandaberichte in der Presse beschreiben zwar die Bombardierungen und ihre Ergebnisse, verdecken jedoch gekonnt vor dem mit normalem Vorstellungsvermögen ausgestattetem Leser das wirkliche Ausmaß . Es werden sorgfältig Wörter gewählt, wie "ein Gebiet entschärfen, ein Ziel neutralisieren, Flächenbombardement, Stärkung der Verteidigung und Ausschalten eines Industriegebiets".  

Nur dann, wenn die Fakten addiert werden  und die schrecklichen Summen an Opfer, welche beschrieben und geschätzt als Ganzes gesehen werden, kann realisiert werden, was Bombenangriffe anrichten. Hunderte, Tausende hilfloser und unschuldiger Menschen, Deutsche, Italiener, und andere in von Deutschen besetzten Städten werden zu Objekten, die mit dem Tode ringen und Verwundungen ertragen müssen, was mit den schlimmsten Quälereien des Mittelalters verglichen werden kann. Die Erkenntnis bringt ein extrem unangenehmes Gefühl und schlechtes Gewissen mit sich, welche der Durchschnittsbürger mit zwei Hauptargumenten bei Seite wischen will. 

 

Bombing to Shorten the War - Bombardierungen verkürzen den Krieg

An erster Stelle wird das Argument eingebracht, dass Bombardements den Krieg verkürzen. Diese Aussage wird gerne von vielen Politikern und leitenden Kirchenvertretern genannt.  

Es gibt einige Argumente dagegen.

Erstens, es gibt keine Sicherheit, dass der Krieg weniger lang dauert. Nur die absolute Sicherheit der These würde zweckdienlich zu dieser schlimmen Argumentation - auch die heißesten Befürworter eines Krieges - berechtigen. Herr Churchill selbst hat das Massenbombardement auf Deutschland als ein Experiment beschrieben. Was mit Sicherheit realisiert wird, das ist eine Abwärtsspirale in den moralischen Werten, welche in den tiefsten Abgründen des menschlichen Geistes und seiner Moral enden werden. Nur dazu führt diese Argumentation. Die, die sich an den ersten Weltkrieg erinnern, werden noch wissen, dass die Deutschen genau die gleiche Argumentation - Verkürzug der Dauer der Gewalttätigkeiten - für ihre Kriegsführung des Terrors mit U-Booten einbrachten. Wir haben dieses Argument abgelehnt, auch als die Nationalsozialisten es neu belebten für die Bombardements auf Warschau, Rotterdam, Belgrad, London und Coventry.    

Zweitens, wenn das Wort "abkürzen" gebraucht wird, dann wird es im allgemeinen eingesetzt, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass weniger Menschen leiden müssen und weniger Zerstörungen erfolgen. Solch eine Aussage zur Dauer ist irreführend. Bei einem gewaltigen und konzentrierten Bombenangriff, welcher ein paar Minuten dauert, werden möglicherweise mehr Menschen getötet oder verwundet als in einer modernen Großschlacht, die über zwei oder drei Wochen geht. Hinzu kommt die Zerstörung von unwiederherstellbaren Zeugen der Vergangenheit, wie Gebäude, Kunstschätze und Dokumente, die Jahrhunderte menschlicher Kreativität darstellen. Tatsächlich sind Massenbombardements von Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte nichts anderes als die Beschleunigung des Schlachtens von Menschen, Elend und Zerstörung im Gebiet zwischen den Kampfhandlungen an den militärischen Fronten.

Drittens, das "Experiment" hat bisher gezeigt, dass Flächenbombardements weder eine Revolution, noch ein Absinken der Moral hervorrufen. Die Opfer sind wie betäubt und stumm, erschöpft, teilnahmslos, damit beschäftigt, Nahrung und Schutz zu finden. Aber wenn sie sich wieder erholt haben, wer kann daran zweifeln, wird die Mehrheit unter ihnen das Verlangen nach Vergeltung und Steigerung der Brutalität haben, auch dann, wenn damit unterschwellig Angst einhergeht. So entwickeln wir ständig schon jetzt die psychologischen Grundlagen für einen dritten Weltkrieg. 

 

Bombing for Revenge - Bombardierungen sind Vergeltungsakte

Das zweite Hauptargument, welches vorgebracht wird, um unsere derzeitige Politik der totalen Zerstörungsbombardements zu rechtfertigen, ist unser Leid (in der Tat, auch wir haben gelitten), das uns ganz und gar berechtigt, unbegrenzt zurückzuzahlen für das, was wir ertragen mussten.   

George Bernard Shaw schrieb am 28.11.1943 an den Sunday Express einen Brief, der diesen doppelten Diskussionspunkt beleuchtete. "Das schnelle Ausradieren der Städte (Blitzing) hat den Krieg zur extremsten höllischen Scheußlichkeit geführt, so dass Gegenbeschuldigungen mit Gegenrechnungen lächerlich (dumm) erscheinen. Die Deutschen werden genauso eine Rechnung mit Scheußlichkeiten von uns haben wie wir gegen sie, wenn wir sie vor ein neutrales internationales Gericht bringen. (*Anmerkung: ...blitzing ist eine Ableitung von Blitzkrieg und meint Überfall, beschleunigte Zerstörung mit dem Ziel, ohne langfristige Kampfhandlungen auszukommen, den schnellen "Sieg" zu realisieren. In diesem Fall "heftiger Luftangriff"...)

Es gibt drei weitere Antworten, die sorgfältig von vernünftig denkenden Menschen betrachtet werden sollten.

Erstens, Untersuchungen zu Entwicklungen der Bombardierungen von Zivilisten (zum Unterschied vom Bombardement gegen militärische Aktivitäten) zeigen die Schwierigkeit, einfach mit der Frage zu beginnen, wer trägt Schuld, weil er angefangen hat. Die steigende Zunahme der Bombardements auf Zivilisten bis zum Punkt eines Alptraums, wie aktuelle Informationen zeigen, scheint ein besonderer Fall von tragischem Zeitgeist zu sein, wie solchen nur ein Krieg hervorbringen kann. Das Ganze verhält sich wie eine Lawine, die, erst einmal in Schwung gekommen, sich mit der Kraft eines ungesteuerten Schwertransporters bewegt. Einige Missachtungen des internationalen Rechts - durch den Gegner - wurden absichtlich genutzt, um in "Naturalien" zurückzuzahlen. Der Feind schlug zurück, wir schlagen noch härter zurück. In allen Fällen, in denen zum Beispiel unglücklicherweise statt einer Fabrik, eine Kirche getroffen wurde, wird dieses von den Opfern für die internationale Propaganda benutzt. So geht der grausame Wettbewerb weiter, bis der Massenmord von Zivilisten ein selbstverständlicher Teil unserer "normalen" Kriegshandlungen ist, ein Rückfall in die Barbarei, wie wir ihn nachdenklich und mit Horror in 1939 bei unserem Gegner betrachtet haben.     

Zweitens, es ist richtig, dass Teile von England durch Bombardierungen in Mitleidenschaft gezogen wurden. Nun werden jedoch fürchterliche Erfindungen und Vorgehensweisen eingesetzt, die zum Zeitpunkt dieser Bombardierungen noch nicht bekannt waren bzw. genutzt wurden. Zu Beginn des Krieges waren die Kenntnisse vom Kummer und dem ertragenen Leid nur in den bombardierten Gebieten bekannt und ganz besonders bei den Betroffenen, wie den überlebenden Opfern, den zivilen Luftschutzhelfern und den Rettungskräften, welche vor Ort waren auf diesen Schlachtfeldern, auf welchen die deutschen Bomben die zerstörten Häuser zurückließen. Es ist, so glaube ich, die fehlende Vergleichsmöglichkeit (Erfahrung) aus erster Hand bei der Mehrzahl der britischen und amerikanischen Bevölkerung, welche die billigende Inkaufnahme der Bombardierungen eines geschlagenen Gegners ermöglicht.

Selbst habe ich relativ wenig Erfahrung, aber als eine Londonerin, die Angriffe erlebt hat und 18 Monate als freiwilliger Helfer der Feuerwehr tätig war, habe ich genug gesehen und gehört, so dass ich nicht einwilligen kann, wenn dieser obszöne und zerstörerische Terror gegen hilflose Zivilisten eines anderen Landes eingesetzt wird. Auch glaube ich nicht, dass die Mehrzahl der Angehörigen der RAF, welchen versichert wurde, dass Flächenbombardements den Krieg und damit ihre Einsatzzeit verkürzen würden, wirklich ihr Leben dadurch schützen wollen, indem sie deutsche Frauen und Babys zu Opfern machen. Auch unsere Soldaten würden im Kampf keine "feindlichen" Mütter und Kinder als lebende Schilder einsetzen. 

Drittens, wir erniedrigen uns selbst, wenn wir in noch schlimmerer Art als unser Gegner zurückschlagen und unsere Werte weiter verraten in der Verfolgung unseres Kampfes. Wie auch immer, es beunruhigt. Wenn wir den Krieg in dieser Art gewinnen, dann werden wir als Nation auch daran gemessen. Wenn wir die Methoden des Gegners übernehmen und intensivieren, dann sollten wir so nur im Fall einer möglichen Niederlage handeln, um den schrecklichen Gegner, wie er in unserer Vorstellung besteht, zu bekämpfen.

Es muss den Einwohnern aus den am schlimmsten bombardiertesten Gebieten Englands zugute gehalten werden, dass sie die grausige Wahrheit erkannt haben. Im April 1941, als das britische Institut für die öffentliche Meinung eine landesweite Befragung durchführte, "Würden Sie mit ja oder nein stimmen für die Politik der Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung?", war es bemerkenswert, dass die Bevölkerung in den schwer bombardierten Gebieten weniger für diese Vergeltungsmaßnahme war als die in den nicht bombardierten Gebieten. Die meisten Stimmen für die Vergeltung (76% der Bevölkerung) wurden in den sicheren Gebieten Cumberland, Westmorland und das North Riding abgegeben. Die bombardierten Gebiete Londons, welche acht Monate lang die fortlaufenden Bombardierungen ertragen mussten, stimmten nur mit 45% dafür, während 47% die Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung ablehnten. Die restlichen 8% konnten sich nicht entscheiden.

Als deshalb am 15.07.1941 Churchill in der County Hall sagte: "Falls die Bevölkerung von London heute Abend gefragt werden würde, ihre Wahl zu machen, ob eine Konvention eingebracht werden solle, dass das Bombardement aller Städte zu stoppen sei, dann würde die Mehrzahl schreien: "Nein, wir wollen an die Deutschen das Maß anlegen und feiner noch, als sie uns gemessen haben." Er missachtete die Meinungen, die er zwei Monate zuvor durch die Befragung erfahren hatte.  

"Ich würde keiner anderen Frau diese schlimme Situation wünschen.", ruft eine junge Mutter im Schauspiel Coopers Lancashire von A. Burton aus. "Wir sind die Menschen!", nachdem ihr kleiner Junge am hellen Tag von den Teilen einer Bombe  - auf dem örtlichen Spielplatz - zerfetzt wurde. Und das ist, so glaube ich, die normale Reaktion jedes vernünftigen Menschens, der einmal die Realität erfahren hat und selbst in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Ich wünsche, dass Sie, die dieses lesen - soweit die Sicherheit gegeben ist bei den Fakten, die während des Krieges erfasst wurden und was ich beschreibe in Bezug auf meine Quellen - sich der Bombenpolitik für die Leittragenden bewusst werden. Ich muss schreckliche Details nennen, jedoch nicht der Sensation wegen. Diese Informationen werden gegeben, um zu zeigen, was ein christliches Land einem anderen christlichen Land, deren Männern, Frauen und Kindern zufügen kann. Nur dann, wenn Sie diese Fakten kennen, dann können Sie  sagen ob Sie den Bombenkrieg gut heißen oder nicht. Die Informationen sind für Sie, damit Sie Ihre Einwände formulieren können. Erinnern Sie immer daran, dass anderen zugefügtes Leid die Seele einer Nation zerstört aber nicht das ertragene.

 

 

The History of Our Bombing Offensive - Die historische Entwicklung unserer Bombenoffensive
1. Changes of Policy - 1.  Wechsel des Verhaltenskodex

Zu Beginn des Krieges bestand die britische Regierung darauf, dass ausschließlich militärische Ziele zu bombardieren seien, begleitet von berechtigtem Zorn in öffentlichen Verlautbarungen, immer dann, wenn deutsche Bomben Kirchen, Krankenhäuser, Schulen und Wohnhäuser zerstörten. Von höchsten politischen Gruppen bis zu den untersten wurde diese Skrupellosigkeit - der deutschen Luftwaffe - angeführt. 

"Schnell wächst der Hass." Ich möchte den Leser erinnern, kürzlich, am 27. Januar 1940, hat Winston Churchill, einst der Oberbefehlshaber der Marine, die Bombardements des Gegners verurteilt als eine neue widerliche Form des Angriffs. Er hörte nicht auf das Vergeltungsgeschrei, sondern empfahl, dass die Bomber nachts Flugblätter abwerfen sollen und "nette Bomben ( Bonbons)" transportiert werden sollten. Ich darf hinzufügen, dass ich jetzt  und trotz meiner aktuellen und starken öffentlichen Kritik an der neuen und widerlichen Form des Krieges - ich habe am 10. Februar 1940 geschrieben - aufs Neue den guten Sinn befürworte, das immer gute Gefühl mit dem Manne verbinde, der diese Aussage machte.

Es ist erforderlich, neuerliche Aussagen von Ministerien zu zitieren, um zu begreifen, wie heftig der Einstellungswechsel bei Premierminister und seinen Stellvertretern während der letzten 12 Monate war und wie dramatisch der Verfall der moralischen Positionen seit dem Beginn des Krieges ist.    

Am 2. Juni 1942 verpflichtete sich Herr Churchill vor dem Parlament (Unterhaus):

"Indem der Krieg voranschreitet, werden die deutschen Städte, Häfen und Zentren der Kriegsproduktion einem Gottesurteil gleich, wie noch niemals fortlaufend von einem Land erfahren, in großem Ausmaß und schwerwiegend heimgesucht."  

Ungefähr ein Jahr später, in einer Rede zum U.S. Parlament im Mai 1943,  drohte Churchill in ähnlicher Form Japan:

"Es ist die Pflicht derjenigen, die für die Kriegsführung verantwortlich sind . . . notwendigerweise damit zu beginnen, die wünschenswerten Städte und die militärischen Zentren in Japan in Asche zu legen, in Asche, die erforderlich ist, bevor der Friede in die Welt zurückkehrt."

Er erscheint möglich, dass die amerikanische Reaktion zu dieser zerstörerischen Politik nicht das war, was der Premierminister erwartete. Am 8. September 1943 berichtete der News-Chronicle, dass Präsident Roosevelt dem Parlament versichert hat: "Wir haben keine Wohnhäuser bombardiert, um eine sadistische Freude am Töten zu haben wie die Nazis, aber ausgewählte Fabriken, Werften und Munitionslager wurden bombardiert.

Trotzdem, in der Rede im Juli über die systematische Zertrümmerung der deutschen Städte, weitete Churchill das Thema aus vor dem Unterhaus am 21. September 1943 aus: 

"Die Kriegsanstrengungen, die fast totale systematische Zerstörung vieler deutscher Zentren, werden weiter gesteigert in Ausmaß und Geschwindigkeit. Das Zerstörerische ist unbeschreibbar in seiner Auswirkung auf die deutsche Kriegsproduktion in all ihren Ausprägungen. Damit verbunden ist die Zerstörung der schuldigen Organisation, der Gesellschaft und der Wirtschaft...  

Während derselben Rede sagte er dem Unterhaus: "Es gibt keine Opfer, die wir nicht bringen, keine Gewalttätigkeit, die wir nicht ausführen werden." Eine Woche oder 14 Tage später, beschrieb er diesen Prozess in einer Mitteilung an das Bomber Kommando: "...das Leben herausschlagen aus Deutschland."

Es ist kaum überraschend, dass die Untergebenen Churchills seiner Führung folgend ebenfalls mit Androhungen folgten. In Quebec im August, Brenden Bracken, der Minister für Information, sagte der Presse: "Es sind unsere Pläne, bum, die Menschen rücksichtslos umzubringen, die diesen Krieg begonnen haben.  

Die Echos aufgrund dieser Drohungen, welche in der Presse, in Artikeln und Absätzen erschienen, sind so vielfältig, dass es unmöglich ist, alle zu zitieren. Im April 1942 war die neue Art der Politik für John Gordon, Redakteur des Sunday Express, sehr willkommen. Er folgert in erstaunlichen Worten, die umso erstaunlicher sind, je länger man darüber nachdenkt. 

"Deutschland, welches den Bombenkrieg erfunden hat, findet sich nun selbst wieder im Gegenterror mit einer Intensität, welche selbst Hitler in seinen sadistischsten Träumen nicht für möglich gehalten hat."  

 

2. Changes of Method - Der Methodenwechsel

Der Wechsel vom "Präzisions-" zum "Zerstörungsbomben" umfasste erforderliche und umfassende Wechsel in der Methode und der taktischen Ausrichtung. Obwohl die offizielle Politik vom Bombardieren militärischer Ziele sprach, wurden diese Ziele ausgedehnt auf die Zentren der großen Städte. Dort befanden sich Büros, Wohnungen, Mietshäuser und Arbeiterwohnungen. In der Tat, jedes Ziel, welches geeignet war, um Deutschlands Moral und den Willen seiner Bevölkerung zu brechen, ist nun einbezogen.      

Sir Archibald Sinclair gab es am 31. März 1943 im Unterhaus zu. Er antwortete auf  R.R.Stokes'  Frage, welcher den Staatssekretär des Luftministeriums fragte, ob bei irgendeiner Gelegenheit Befehle an die britischen Bomberbesatzungen erteilt wurden, bei Flächenbombardements ihre Aufmerksamkeit nicht nur auf militärische Ziele zu lenken. Sir Archibald antwortete: "Die Ziele der Bomber sind immer militärisch. Während nächtlicher Bombardierungen werden notwendigerweise ihre Umgebungen (im Klartext, nichtmilitärische Gebiete) mit einbezogen."   

Das Bombardieren eines Gebiets, in welchem militärische Ziele liegen, ist natürlich exakt die gleiche Methode, wegen der die Nationalsozialisten von uns im Zusammenhang mit Warschau, Rotterdam und Belgrad verurteilt wurden. Der Widerspruch ist im Kommentar des Sunday Dispatch vom 21. März 1943 enthalten:

"Die Bomber-Besatzungen sind häufig bei schlechtem Wetter unterwegs und werden von brutalen Jägern angegriffen, wenn sie versuchen ihre Ziele zu treffen. Jeder Versuch, sie davon zu überzeugen, sich um Zivilisten zu sorgen, ist der Versuch, den Wert ihres militärischen Erfolgs zu beeinträchtigen." 

Der gleiche Verlust an Skrupellosigkeit zeigt sich bei den aktuellen Luftangriffen, bei denen Umstände gegeben sind, die es unmöglich machen, zwischen Wohngebieten und militärischen Einrichtungen zu unterscheiden. Die Steigerung dieses Handelns erreichte den Höhepunkt während des Angriffs auf Frankfurt am 25. November 1943. Der London Herald berichtete am 27. November: "Da waren dichte Wolken bis auf 4.800 Meter tief über der Stadt als die Bomber diese erreichten. Die Besatzungen sahen nichts von der Stadt. Es war ein blindes Bombardement." Die gleiche Situation eines Bombardements - starker Bewölkung ohne Sicht - wurde akzeptiert beim Angriff auf Köln, Ende Juni 1943, als der Dom zerstört wurde. So geschah es auch bei anderen Städten wie Berlin.      

 

3. Changes of Tactics - Der Tatikwechsel

Die Akzeptanz des Flächenbombardements wurde begleitet von vielen neuen Entwicklungen, welche den Terror und das Leid der Luftangriffe gesteigert haben. Die schlimmste Pervertierung war das Kaskadenbombardement, auch als der satte Angriff beschrieben. Eine große Anzahl von schweren Bomben werden auf ein begrenztes Gebiet in kurzer Zeit geworfen, so dass gleichzeitig eine immense Zerstörung in allen Teilen der Stadt erfolgt. Die Verteidigung ist aufgrund der Massen unfähig, eine Wirkung gegen die Bombardierung zu erzielen und quasi ausgeschaltet. Es folgt die Methode, die Zentren der Städte anzuzünden mit Tausenden von Brandbomben, um anschließend auf die brennende Stadt Explosionsbomben ungezielt abzuwerfen, da der Rauch jede Sicht verhindert. 

Am 20. Juli 1943 erschien dieser Kommentar im Beobachter:

"Solch ein Phänomen wie der Abwurf von 2.300 Tonen explosiver Bomben und Brandbomben über begrenzte bebaute Gebiete innerhalb von 50 Minuten hat keine Parallele in der Geschichte. Die schwerste Bombardierung Londons, schlimm wie sie für uns zu diesem Zeitpunkt erschien, ist im Vergleich dazu eine kleine Affäre." 

Das amerikanische Magazin "Time" fasste die offiziellen Statistiken wie folgt zusammen, welche vom Luftmarschall R.H.M.S. Saundby zur Verfügung gestellt wurden: 

"Am 30. Mai 1942 warf die RAF 17 1/2 Tonnen in der Minute auf Köln ab. Am 3. September 1943 lag die "Lieferrate" bei 50 Tonnen pro Minute auf Berlin. In den jüngsten Angriffen waren es 120 Tonnen Bomben pro Quadratmeile in einer Stunde, oder 80-mal so viel, wie beim schwersten Angriff auf London. Das Ziel der RAF ist 200 Tonnen pro Minute."   

Während des großen Angriffs auf Hamburg, laut dem Daily Telegraph, berichteten die Deutschen von einer neuen RAF-Methode, die Abwehr der Stadt zu überschwemmen.

 

"Die RAF (Royal Airforce - "königliche" Luftwaffe) erklärte, dass zu Beginn eines Luftangriffs die Ziele mit einer Serie von Ringen aus grünen Leuchtfeuern gekennzeichnet würden, um gerade diese Grenzen zu bombardieren. Damit werden die deutschen Hilfskräfte abgeschnitten von der zu bombardierenden Zone. Anschließend würde diese Zone mit Explosions- und Brandbomben beworfen."   

"Die wahnsinnige Hitze und die schlimmen Feuer saugen die Luft aus der bombardierten Zone - Kamineffekt - bis ein Vakuum entsteht. Dann wird Luft aus den anderen Stadtteilen angesaugt. In der der Natur entwickeln sich auf diese Art und Weise Tornados. Der Luftstrom ist so stark, dass die Menschen auf den Boden gedrückt werden und es der Feuerwehr unmöglich ist, in der bombardierten Zone Hilfe zu leisten." (Anmerkung: Feuersturm bezeichnet ein physikalisches Phänomen. Es entsteht, wenn sich mehrere Brandherde vereinigen. Dann wird die glühend heiße Luft wie in einem Kamin durch den Auftrieb kilometerweit nach oben gesaugt. Am Boden entsteht zugleich ein enormer Unterdruck, der mit unglaublicher Gewalt die Luft aus der gesamten Umgebung in den Brandherd saugt und diesem so neuen Sauerstoff zuführt und ständig neu anfacht.)

"Diese gewalttätige momentane Feuersbrunst dehnt sich aus auf die umliegenden Stadtteile."

"Das "Ring-System", welches erstmals gegen Hamburg eingesetzt wurde, hat noch eine andere Wirkung. Viele Menschen starben am Erstickungstod als Folge der wahnsinnigen Feuer mit ihrer extrem hohen Hitze. Hamburg hatte hervorragende Bunker. Es waren jedoch lediglich Bunker, die von Explosionsbomben nicht zerstört werden konnten. (Bei ihrer Konstruktion reichte die Phantasie nicht aus, um das Schreckliche, was nun auf die deutsche Zivilbevölkerung zukam, zu berücksichtigen.) Beim Öffnen musste der Erstickungstod der Menschen festgestellt werden."

Zeitzeuge aus Hamburg berichtet -> hier    

Als die Angriffe auf Hamburg beendet waren, berichtete Ronald Walker, Luftwaffen-Korrespondent im News-Chronicle:

"Die sechs Angriffe auf die Stadt Hamburg mit Hafen und U-Boot-Werften innerhalb von vier Nächten und drei Tagen kamen möglicherweise der Zielsetzung von Harris' Angriffen gegen Deutschland am nächsten: "Ein Ziel muss ausgeblutet werden!" Der oberste Luftmarschall und Chef des Bomberkommandos, "Sir" Arthur Harris, hat einen einfachen Plan: "Die komplette Zerstörung aller deutschen Industriestädte und Häfen, eine/einer nach dem anderen. Seine Vorstellung ist es, die Ziele dem Erdboden gleich zu machen, bis nichts mehr zu retten oder eine Instandsetzung unmöglich ist." 

 

4. Arthur Harris and His Policy - Arthur Harris und sein Vorgehen

Der Wechsel von der Bombardierung ausgesuchter Ziele zur Flächenbombardierung erfolgte am 3. März 1942 mit der Berufung von Arthur Travers Harris zum Chef des Bomberkommandos. Laut Pressebericht am 29. März 1943 beschrieb Luftwaffenmarschall Billy Bishop persönlich "Sir" Arthur Harris als einen "Tiger ohne Erbarmen im Herzen für den Gegner, der kein Haus in Deutschland unzerstört lassen wolle."    

Die unbarmherzige Politik dieses Mannes findet ihre Unterstützung - natürlich - in der Entschlossenheit der politischen Führung zu bombardieren und rücksichtslos zu zerstören, wie Brendan Bracken erwähnte. 

Eine Hand voll Individuen verfügt über unermessliche Macht aufgrund des totalen Kriegs. Millionen von Deutschen, Italienern und Franzosen verdanken dieser Politik die Zerstörung ihrer schönen historischen Städte. Tausende von Familien in den vom Gegner besetzten Gebieten erleiden den Tod, Verletzungen, psychischen Schaden bei Kindern und Jugendlichen und empfinden Hilflosigkeit, haben zu ehrende Mitglieder zu beklagen. Diese Erinnerungen alleine, ein trauriger und unaussprechlicher Horror, erscheinen heute wie ein unüberwindliches Hindernis beim Aufbau einer besseren Welt.      

Die alten und historischen Städte Lübeck und Rostock waren im März und April 1942 die ersten, die unter der neuen Form des Bombardements - laut "The Times" vom 1. Januar 1943 wurden 40% der einen und 70% der anderen Stadt zerstört - leiden mussten. 

Video -> hier

Anschließend erfolgte am 30./31. März der erste Tausend-Bomber-Angriff gegen Köln, der laut einem neutralen Bericht 20.000 Tote hinterließ. Abetz, der nationalsozialistische Repräsentant in Paris sprach von 11.000 bis 15.000 Menschen. 

Unter der Überschrift "Autobahn in die Hölle" kommentierte "The Times" am 7. Juli 1943:

"Die RAF-Offensive gegen Deutschland und das besetzte Europa leiden unter der Untertreibung. Es kann nicht das Ziel sein, fröhlich die Städte, die Industrie, Menschen und menschlichen Geist in einer nie da gewesenen Art aus der Luft anzugreifen. Das Ziel ist der Sieg über Hitler mit Bomben und es 1943 zu realisieren." 

Ist die von der Time erwähnten "Untertreibung" möglicherweise im Zusammenhang zu stellen mit den Erkenntnissen der Verantwortlichen der RAF, dass der normale und vernünftige Bürger des vereinigten Königreiches und den USA die Fortsetzung des Schlachtens nicht befürworten könnte, wenn er die Details erfahren würde, wenn er das Ausmaß an Opfer und des Blutvergießens durch Luftangriffe begreifen würde. Die gleiche Ausgabe der Times bezeichnet den Mann, der den Wechsel in der Bombardierungstaktik einleitete, ""Chef der Luftwaffe, Marschall "Sir" Arthur Travers Harris, Chef des britischen Bomber-Kommandos, Generalmajor der Ira Clarence Eaker, Kommandeur der achten U. S. Luftwaffeneinheit."  

Bei seiner Rede in Northamptonshire am 6. November 1943 erklärte "Sir" Arthur Harris:

"Wir empfehlen die umfassende Lahmlegung aller gegnerischen Zentren für die Produktion, vierzig sind lebenswichtige Zentren für die Kriegsproduktion und fünfzig können als ziemlich wichtig angesehen werden."    

Diese neunzig Zentren, so Sir Arthur, sind alle in Deutschland. Andere in Italien und besetzten Gebieten würden separat behandelt. Um das Experiment durchzuführen, Deutschland mit Bombardements in die Knie zu zwingen, sind wir auch bereit, neunzig Zentren in Schutt und Asche zu legen mit ihren Museen, Büchereien, Krankenhäusern, Hochschulen, Schulen, Kirchen und Menschen. Es kann zweifellos aufgrund der Beobachtungen am 30. Juli 1943 (gemeint ist Hamburg) getan werden.

Dank der gewaltigen amerikanischen Produktion, kann die Anzahl der Luftangriffe noch gesteigert werden. Sie liegt über zweimal so hoch wie vor einem Jahr. Noch ein weiteres Jahr zusätzlich, wenn es der Krieg erfordert, wird sie nochmals verdoppelt."

Es scheint die Auffassung bestätigt zu werden, dass 20 Jahre Waffenstillstand einen weiteren Krieg hervorrufen, der das Ende der Zivilisation bedeuten könnte. Lassen wir uns gemeinsam betrachten, wie weit das menschliche Leben und die Kultur  bereits zerstört sind durch unsere Luftangriffe.

 

The Bombing of Germany - Bombardements auf Deutschland

Zunächst möchte ich einige Zahlen aus deutschen Quellen zitieren. Obwohl wir diese möglicherweise nicht akzeptieren, wenn sie nicht deckungsgleich sind zu offiziellen britischen und amerikanischen Zahlen, welche ich ebenfalls anführen möchte, um die deutschen Zahlen glaubhaft darzustellen. Die deutschen Zahlen sind möglicherweise eine Untertreibung, insbesondere dann, wenn wir die großen zusätzlichen Zerstörungen durch unsere Bombardements berücksichtigen, die drei Monate vor dem Beginn der deutschen Berichterstattung ausgeführt wurden.

Ende Oktober 1943 berichtete der Berlin-Korrespondent der Stockholmer Zeitung "Afton Tidningen", dass das deutsche Ministerium für die innere Sicherheit feststellte, dass 102.486 Menschen bei Luftangriffen der RAF in 12 deutschen Städten innerhalb von sieben Monaten vom 1. April bis zum 25. Oktober 1943 ums Leben gekommen seien. 

Die Städte waren: Hamburg, 28,350; Köln, 18,146; Dortmund 15,008; Hannover, 6,320; Dusseldorf, 6,205; Bochum, 4,829; Duisberg, 4,763; Wuppertal, 4,635; Mannheim, 4,368; Nürnberg, 3,347; Frankfurt, 3,184; Kassel, 2,731

In diesen Zahlen sind die unidentifizierbaren Leichen nicht enthalten.

Entsprechend den Aussagen eines Mitglieds des staatlichen Statistikamtes in Berlin wurden 1.200.086 deutsche Zivilisten getötet bzw. als vermisst gemeldet in Folge von Luftangriffen seit Beginn des Krieges. So ein Bericht vom 1. Oktober 1943 (Darin sind die Terrorangriffe, die anschl. z.B. auf Dresden und Pforzheim erfolgten, noch nicht enthalten.) aus Zürich. Menschen, die durch Bomben ihr Hab und Gut verloren und evakuiert werden mussten, werden auf 6.953.000 geschätzt.   

Insgesamt 50.000 Engländer kamen bei deutschen Luftangriffen ums Leben bis zum 31. Oktober 1943, gezählt ab Kriegsbeginn. Außerdem haben wir Italien und die von Deutschen besetzten Länder bombardiert. Unsere Vergeltungsmaßnahmen haben bis Ende Oktober 1943 immerhin Deutschland fast 25-mal so viel Leid zugefügt wie wir ertragen mussten. Die späteren vernichtenden Angriffe auf Berlin und andere Ziele haben - natürlich - diese Zahlen stark anschwellen lassen bis zum totalen Leid. Ohne Zweifel gibt es unerwachsene Gemüter, die Gründe für ihre Befriedigung in den Ängsten finden, die wir unseren Gegnern zufügten. Andere werden verantwortungsvoller nachdenken und berücksichtigen, dass jeder aus dem Kreis der Millionen Tote (nicht zu sprechen von den Verletzten und Wohnungslosen) Verwandte und Freunde hat, die sich erinnern werden. Diese Erinnerungen werden schlimmer sein als die an die Vorkriegsblockade von 1919, welche ihren Hauptursprung im Nazismus hatte. Mit diesen Erinnerungen müssen wir rechnen, wenn die Tage des Wiederaufbaus kommen. 

Am 29. Mai 1943, sendete der Reichsfunk folgende Details über die Zerstörung nicht militärischer Gebäude durch Luftangriffe: Total zerstört, 133 Kirchen, 191 Schulen, 108 Krankenhäuser und schwer beschädigt, 494 Kirchen, 920 Schulen, 231 Krankenhäuser. Diese Zahlen müssten seit diesem Zeitpunkt dramatisch zugenommen haben, wie aus der Rede von Sir Archibald Sinclair in Cheltenham am 05.November 1943 zu entnehmen ist. "Während der Monate Mai, Juni und Juli 1943, warf das Bomberkommando über 52.000 Tonnen Bomben ab. Er fügte hinzu, dass 5% von Coventry zerstört wurde durch deutsche Angriffe in 1940 aber 40% von Essen, 54% von Köln und 74% von Hamburg, was praktisch die totale Zerstörung bedeute."  

Ziehen wir nun die britischen und amerikanischen Statistiken heran - ein paar Absätze sollen den Hintergrund erhellen.

Der News-Chronicle vom 3. Juli 1943 stellt diese Zahlen fest: "Die gesamte Tonnage, welche die Luftwaffe auf britische Städte zum Höhepunkt im Jahr 1940 - 1941 abwarf, umfasste ungefähr 35.000 Tonnen. In keinem Zeitabschnitt wurde bei deutschen Luftangriffen der Durchschnitt von 750 Tonnen in einer Nacht erreicht. Der schwerste Luftangriff umfasste 450 Tonnen und wurde 1941 in einer Nacht gegen London geflogen. Im April 1941, einer der mehr intensiven Monate mit Luftangriffen gegen England, warfen die Nazis cirka 6.000 Tonnen (z.B. weniger als die Hälfte der RAF Bombenladung im Juni 1943) ab.   

In der zweiten Oktober-Hälfte 1943 enthüllte ein Bericht des Luftkommandeurs Howard Williams, Kriegsberichterstatter mit Schwerpunkt Luftkrieg des Daily Telegraph, dass in einhundert Tagen und Nächten vom 9. Juli zum 17. Oktober nicht weniger als 74.000 Tonnen Bomben auf Deutschland und die von Deutschland besetzten Gebiete fielen durch Einsätze der RAF und U.S. Army Air Force. Davon wurden 56.000 Tonen während der Nacht abgeworfen, wovon 48.000 für Ziele in Deutschland bestimmt waren. Die Schreiberin bestätigt, diese Angriffe einem Kommentar der RAF entnommen zu haben. Ferner kommentiert die RAF diese Wirkung: "Die Industriestädte des Gegners waren zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als große Arbeitslager, in denen die Arbeiterhäuser praktisch Baracken waren. Der Kommentator erwähnte nicht, wie viele Kinder in diesen Baracken lebten. 

Später informierte uns der Luftkommandant Howard Williams, dass "die Hälfte der deutschen Großstädte bereits schwer bombardiert worden seien. Siebzehn wären bereits ernsthaft beschädigt....Zum Beispiel Hamburg wäre im Vergleich zu Coventrie 60-mal stärker beschädigt, Köln 17-mal, Düsseldorf 12-mal und Essen 10-mal.  

Am 20. Dezember 1943 verglich der Luft-Vize-Marschall Time die Zahlen Saudbys zu Deutschlands Verwüstungen, und stellte fest, was diese für amerikanische Städte bedeuten würden. Time sagte:

"Ein Viertel der deutschen Städte wurde seit dem 11. Mai 1940 verwüstet. In den Ruinen von Hamburg, Düsseldorf und Köln ist ein zivilisiertes Leben nicht länger möglich. Siebzehn deutsche Großstädte im Nordwesten Deutschlands sind der Herd der Kriegsmaschinerie des Gegners. Sieben weitere sind nahe dran, um damit gleichzuziehen. Alles in allem haben seit dem vergangenen Dezember innerhalb Deutschlands 31 Städte einen drauf gekriegt mit 48 Angriffen mit jeweils 500 Tonnen Bomben und mehr. Grob verglichen mit den USA hätten die gleichen Luftangriffe dreiviertel von Los Angeles, Cleveland, Baltimore, Boston, New Orleans, Minneapolis, Cincinnati, Newark, Louisville und St. Paul verwüstet. In Detroit, Pittsburgh und Buffalo wäre kein zivilisiertes Leben mehr möglich."       

Vor achtzehn Monaten, im Sunday Express vom 13. September 1942, John Gordon versicherte uns, dass "zum ersten Mal die Deutschen so richtig anfangen zu quicken" unter einem ausgeprägten Martyrium ihrer Mütter und Kinder. Wie lange werden die englischen und amerikanischen Bürger einverstanden sein mit diesen Grausamkeiten in ihrem Namen, dem Großhandel in Massakern, welchen ihre Führer als Experiment bezeichnen.    

"Wenn der wachsende Horror der Luftangriffe eine Wucht annimmt, die alles an Vorstellbaren überholt, und nicht abnimmt, dann kommt der Tag, der die Grenzen des Ertragbahren übertreffen wird." 

Sind wir wirklich willens  ohne Protest zu warten und zu beobachten, bis diese Grenzen der Leidensfähigkeit erreicht werden? Kein Protest und keine Revolution aber Apathie, Ermüdungserscheinungen und mechanisches Bemühen, um zu erhalten, was es noch zu erhalten gibt, sind das schnelle Ergebnis eines konzentrierten Bombardements. Der Punkt des Durchbruchs - ist schwierig in jedem Fall zu erreichen bei von der Gestapo kontrollierten Menschen - mag noch weit entfernt sein.

 

The Facts Behind the Figures - Die Fakten hinter den Zahlen


Ich schlage nun vor, die Wirkung unserer Luftangriffe zu untersuchen am Beispiel von zehn deutschen Städten, der Einfachheit halber alphabetisch geordnet.    

1. Aachen

Aachen war eine relativ kleine und nette Industriestadt mit 160.000 Einwohnern an der Grenze zu Belgien gelegen. Ich war 1936 für ein paar Tage dort. Aber es gibt dort nicht nur Industrie. Aachen ist eine bedeutende historische Stadt. Das berühmteste Gebäude ist der Dom mit seinen Relikten von Karl dem Großen, der Aachen zu seiner Hauptstadt machte und dort 814 sein letzte "Ruhestätte" fand. 

Die Stadt wurde von der RAF mehrere Male angegriffen. Der Dom wurde während eines Angriffs im Sommer 1941 beschädigt. Wie schwer er getroffen wurde und ob er erneut beschädigt wurde, ist mir nicht bekannt. Während eines neuerlichen Angriffs im Juli 1943 wurden einige 8000-Pfund-Bomben abgeworfen. Wenige Stunden später stieg der Rauch des Feuers über 7000 Meter hoch. Der Reichsfunk berichtete: "Die Straßen in Aachen brennen. Aus jedem Haus schlagen die Flammen. Die Straßen sind mit Schutt gefüllt, zerbrochenem Glas und Brandherden.    

Lange vor diesem Luftangriff, Sir Archibald Sinclair berichtete in der London Times vom 5. März 1942: "Aachen und Münster sind sicherlich in einem schlechteren Zustand als Coventry und Plymouth. Am 1. Januar 1943 waren bereits 30 Prozent von Aachen (beispielsweise annähernd 160 Hektar, was mehr bedeutet als die verwüstete Region Londons) zerstört.

Anmerkung des Übersetzers: "Churchill wurde nach dem Kriege mit dem Karlspreis der Stadt Aachen geehrt. Nur wenige fanden sich ein, um dagegen zu protestieren. Die politische Prominenz war längst wieder zur opportunistischen Tagesordnung übergegangen. Churchill wurde immerhin als "Gewinner" des Krieges von seinen eigenen Landsleuten abgewählt; aber Anfang der 50er Jahre nochmals Premier des UK" 

Der Text der überreichten Urkunde lautet:
Der Internationale Karlspreis der Stadt Aachen für das Jahr 1955 wurde am Himmelfahrtstag des Jahres 1956, dem 10. Mai, im Reichssaal des Aachener Rathauses, der ehemaligen Kaiserpfalz, dem britischen Premierminister in entscheidungsschwerer Zeit, Sir Winston Churchill, verliehen in Anerkennung seiner Verdienste um die Verteidigung des höchsten menschlichen Gutes, der Freiheit, und um den erfolgreichen Anruf der Jugend, die Zukunft Europas durch Einigung zu sichern.

Der Text der überreichten Medaille lautet:
1955 Karlspreis der Stadt Aachen für Winston Churchill
Hüter menschlicher Freiheit -
Mahner der europäischen Jugend

Homepage des Karlspreises -> hier

 

 

2. Berlin

Nach einem schweren Luftangriff der RAF am 1. März 1943 wurden 1.000 Tote genannt, Feuer brannten noch Tage später und die Friedrichstraße hatte 45 Krater. Der Daily Herald berichtet am 20. März 1943 darüber und erinnerte seine Leser daran, dass nur zwei Bombardements gegen London, am 16. und 19. April 1941, mehr als 1.000 Opfer forderten.  

Am 10. Juni 1943, nach weiteren Luftangriffen wurden detaillierte Angaben zu den Zerstörungen in der Stadt im Daily Telegraph gegeben. Der Korrespondent schrieb: "Wie einer meiner Informanten es ausdrucksstark beschreibt, sieht der Westen von Berlin wie ein Schlachtfeld aus und nicht wie eine Stadt." 

Am 23. August 1943 umfasste der Angriff 1.700 Tonnen Bomben, die innerhalb von fünfzig Minuten abgeworfen wurden. Am 25., 26. und 27. beschrieben Berichte die anschließenden Wirkungen:  

"Von der Leipziger Straße bis zu der Chausseestraße sieht es aus wie in einem Niemandsland, berichtet der Korrespondent aus Stockholm. Ein Reisender erzählt:

"Ich habe viele Jahre in Berlin gelebt. Nun kann ich während dieser Fahrt zu keinem Moment feststellen (in einem Taxi auf der Fahrt durch die Stadt) in welcher Straße wir uns befinden. Dort waren nur Ruinen, alles zerstört und Feuer wo immer wir waren... Von der Friedrichstraße zum schönen Platz der Vereinigung, der Stadtteil Tempelhof war reduziert auf eine einzige Wildnis." 

Aus Bern wurde berichtet, dass die ersten offiziellen Schätzungen der Berliner Polizei nach diesem Angriff von 5680 Opfern sprechen. 

Weitere schwere Luftangriffe wurden am 31. August und am 3. September ausgeführt. 1.000 Tonnen wurden innerhalb von 20 Minuten abgeworfen. Der Daily Telegraph vom 20. September 1943 brachte eine ausgiebige Beschreibung zu den Folgen dieser Angriffe, woraus die nachstehenden Auszüge stammen:

"Heute erschien in einer Schweizer Zeitung in St. Gallen ein Augenzeugenbericht zur Situation in Berlin: "Der letzte Angriff auf Berlin betraf besonders den Westen der Stadt mit einer riesigen Zerstörung und auch die Innenstadt, den Süden bei Lankwitz und Lichterfelde. In diesen Regionen waren die Straßen kaum nutzbar..."  

"Anstrengungen wurden unternommen, um verschüttete Menschen aus Nachbarhäusern mittels Tunnelgrabungen zu retten. Wenn jedoch keine Möglichkeit bestand, wurde nichts mehr unternommen und angenommen, dass die eingeschlossenen Menschen tot waren aufgrund gebrochener Gas- oder Wasserleitungen." 

"Es war nervenzerreißend Frauen zu sehen, die kopflos nach den Luftangriffen fortwährend nach ihren verlorenen Kindern schrieen oder sprachlos mit ihren toten Babys auf dem Arm durch die Straßen umherirrten. 

"Frauen kämpften im Bahnhof Alexanderplatz um Sitzplätze in einem Zug als die Signale auf Abfahrt standen, während im Zug bereits ihre Kinder waren." 

"Schulen wurden geschlossen, jedoch die Evakuierung der Kinder und Eltern ist schlecht organisiert."

Diese zerstörenden (verwüstenden) Angriffe waren jedoch mehr oder weniger Vorspiele für den großen Angriff des 18. November, meinte der Daily Herald als er über die größte Menge an viermotorigen Bombern berichtete für einen Luftangriff gegen Deutschland. Mehr als 2000 Tonnen Bomben wurden auf Berlin und Ludwigshafen geworfen. Die Schlagzeile an folgenden Abend lautete: "350  Zerstörer über Berlin."

Dem Anfang dieser Schlachterei folgten am 22. und 23. November weitere gigantische Luftangriffe. Berlin wurde zur "meist bombardierten Stadt in der Welt." Innerhalb von drei Angriffen regneten insgesamt 5000 Tonnen Brand- und Explosionsbomben auf die Stadt. Der Daily Herald vom 24. November brachte zum 2. Angriff ein großes Foto mit vier grinsenden Piloten im Jubelpose, wie die gesamte übrige Presse.   

Wie gewöhnlich, brachte der Telegraph die meisten Details zum Angriff mit einer umfassenden Beschreibung über die gequälte Zivilbevölkerung. In der Beschreibung zum 22. November, so ziemlich der schwerste Luftangriff auf ein Ziel in der Kriegsgeschichte, war zu lesen: "Berichte aus neutralen Hauptstädten über die vergangenen acht Tagen machten klar, dass eine Zerstörung von nie da gewesenem Ausmaß, insbesondere im Stadtkern, erfolgte. Tausende wurden getötet und verletzt. - Während der gesamten Flugstrecke war eine starke Bewölkung gegeben. Wir haben Berlin "blind" bombardiert. Die Bomber orientierten sich an den hellen Markierungen und konnten die Ziele selbst nicht sehen oder ausmachen. 

Am 25. November nach dem dritten großen Luftangriff, setzte die gleiche Zeitung ihre Berichterstattung fort und zitierte einen schwedischen Geschäftsmann, der als erster Passagier nach dem Angriff aus Berlin nach Stockholm kam und die Schlachterei überlebt hatte. Er sprach davon, dass Berlin zehnmal schlimmer verwüstet worden sei als noch am Vortage. Das Berlin, welches wir kennen, gibt es einfach nicht mehr. Ossian Goulding, der Kriegskorrespondent des Telegraph in Stockholm beschrieb die roten Augenränder und das blasse Gesicht des Schweden und zitierte weiter:  

"Die Feuerwehren des Luftschutzes waren machtlos und konnten mit der Situation nicht mehr fertig werden. Der Tag wurde zur Nacht durch die Feuer, die niedrigen Wolken und die teuflisch riechenden Qualmwolken in den Straßen. Unter den Linden ist nun ein Schlachtfeld mit langen Reihen von brennenden Häusern. Die Bibliothek der Universität brennt noch immer.  

"Die Zerstörer haben eine Menge von wilden Tieren aus dem Zoo befreit. Soldaten sind unterwegs, um mit Gewehren und Maschinenpistolen Leoparden, Elefanten, Bären, Tiger und Löwen zu jagen. Man sollte wissen, dass ca. 85% des Stadtteils Spandau zerstört sind. Die Situation ist dort so ernst, dass entschieden wurde, den gesamten Stadtteil zu evakuieren. Ich habe eingeschlossene Personen gesehen, gefangen im Flammenmeer, die sich aus dem vierten Stock in den Tod gestürzt haben. Der Asphalt brennt überall und über allem liegt der Geruch der Phosphorbomben.

"Die Stimmung in der Stadt ist schicksalsergeben, erschöpft und grimmig aber willens zu bleiben. Ich habe keine Panik und keine Demonstration in irgendeiner Art gesehen obwohl ich hören konnte, dass einige Menschen im Bunker hysterisch waren, wo ich während der Angriffe Schutz gesucht hatte. 

"Ich kann nicht bestätigen, dass die Menschen freiwillig in Massen die Stadt verlassen. Sicherlich sind Tausende in die Vororte gezogen oder ins Hinterland - aber mehr, um ein Dach über dem Kopf zu finden und nicht aus Angst. 

"Um für mich zu sprechen, mein einziger Gedanke besteht nun darin, endlich rund um die Uhr zu schlafen. Niemals hätte ich mir vorstellen könnten, was ein Luftangriff anrichtet, wie, kaputte Nerven, beschleunigte Verdauung, Sehstörungen und viel mehr noch in dieser Art.   

Ein anderer Korrespondent von irgendwo in Europa berichtete im Daily Telegraph:

"Es ist fast unmöglich, die Zerstörung zu beschreiben. Ganze Straßenzüge stehen in Flammen. Die Hitze ist so groß, dass Menschen in ihr zusammenbrechen und sterben. Zehntausende verlassen die Stadt. Ihre Gesichter sind schwarz von Russ und Asche. Viele haben verbundene Hände. Ein Zeichen, dass sie vergeblich versucht haben, die Flammen zu löschen, bestehend aus Tausenden von Feuern in der vergangenen Nacht und den Nächten davor. In den brennenden Gebieten sieht man die Menschen, wie sie vergeblich versuchen, das Übriggebliebene von ihren Habseligkeiten zu retten. Die drei Angriffe sind der Höhepunkt von dem, was die Menschen bisher durchmachen mussten. Die Propaganda der Nazis stimmt nicht, wenn gesagt wird, dass die Menschen in Berlin die RAF verfluchen. Im Gegenteil, nach dem Angriff fehlten den Menschen die Worte, um etwas zu sagen. Sie haben lediglich ihre verbliebenen Habseligkeiten eingesammelt und versuchen in aller Stille weiterzuleben.    

"Dies sind einige Zahlen der Opfer. Man sagt, dass 25.000 am Montag ums Leben kamen und nochmals die gleiche Anzahl am Dienstag. Die Schweizer Tageszeitung "Die Tat" berichtet, dass zwischen 20.000 und 30.000 Leichen aufgrund des Montagsangriffs bereits entdeckt wurden. 

"Die Bevölkerung steht noch unter Schock, so dass es viel zu früh ist, etwas zu den Reaktionen zu sagen." 

Am 26. November zitiert der Daily Telegraph "Sir" Arthur Harris: "Berlin wird so lange bombardiert, bis das Herz des nationalsozialistischen Deutschlands aufhört zu schlagen!" In der Nacht erfolgte der dritte schwere Angriff der Woche und der vierte in acht Tagen gegen Deutschlands Hauptstadt. Am folgenden Tag berichtete der Luftangriffskorrespondent Frederik Tomlinson: 

"Die Wissenschaftler, welche die neuesten Bomben und die neueste Bombertechnik entwickelt haben, bescherten uns eine fürchterliche Waffe. Der eigentliche Zweck ist nicht die Zerstörung von Industrieanlagen als isolierte Ziele, sondern die Industrieproduktion aller deutschen Großstädte lahm zu legen." 

"Das Bomber Kommando ist überzeugt, wenn solches geliefert wird, dann kann das Hauptziel realisiert werden. Verlangt werden nicht nur 13.000 Tonnen, die bereits auf Berlin abgeworfen wurden, sondern 50.000 Tonnen Bomben, um ein Ziel wie Berlin zu zerstören.

Die deutsche Hauptstadt hatte in Friedenszeiten eine Bevölkerung von 4.332.000 Einwohnern. Damit war Berlin die fünftgrößte Stadt nach New York, London, Tokio und Paris. Mit rund 600 Quadratkilometern Fläche war Berlin annähernd so groß wie New York. Gegen Berlin wurden insgesamt über 100 Luftangriffe geflogen. Nach H.H. Arnold, Chef der amerikanischen Heeres-Luftwaffe, wurden drei Viertel der Stadt dem Erdboden gleich gemacht. Die etwas vorsichtigere Schätzung der RAF vom 16. Dezember sprach von 1.300 bis 1.400 Hektar bebauter Fläche, die verwüstet wurde. Das Londoner Büro der Herald-Tribune telegrafierte:

Es wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei den geschätzten Zerstörungen um Flächen handelt, die bebaut waren. Straßen, Parks, Plätze und Gärten sind nicht enthalten in den wenigstens 17% der 8.000 Hektar von Berlin, die entweder zerstört wurden oder als nicht nutzbar zurück blieben. Keine Stadt der Welt hat eine derartige Zerstörung erlitten. Es wird erwartet, dass mindesten jedes vierte Hause in Berlin unbewohnbar angetroffen wird.     

In gerade einmal drei Luftangriffen im vergangenen November wurden auf die Stadt zwei Drittel der Bomben geworfen, die auf London fielen in der gesamten Zeit vom September 1940 bis Juli 1941. Drew Middleton kommentiert die Strategie des konzentrierten Bombardements wie folgt:

"Konzentriertes Bombardieren ist der Abwurf der größtmöglichsten Tonnage in kurzmöglichster Zeit. Neben dem sichtbaren Vorteil der Beschäftigung und Überforderung des Luftschutzes und der Flak kommt die gewaltige Zerstörung einer hohen Anzahl von Gebäuden hinzu. Ferner werden die Fundamente naheliegender und auch entfernterer Gebäude aufgrund der Erschütterungen ebenfalls beschädigt. 

Hanson Baldwin, ein Militärexperte von der New York Times, der gerade nicht für Übertreibungen bekannt ist, berichtet, was eine einzige Bombe anrichten kann. Er schreibt:

"Eine sehr große britische Bombe ist dafür bekannt, eine bebaute Fläche in Deutschland von der Größe des Yankee Stadiums zu verwüsten. Eine 1.1000-Pfund-Bombe durchdringt mehr als 8,50 Meter Grund und hinterlässt einen Krater mit einem Durchmesser von fast 20 Metern und 3 Meter Tiefe. 

Ein Europakorrespondent der New York Times zitierte (9. Januar 1944) einen jungen Mann, der Berlin unmittelbar nach dem Angriff in der ersten Januar-Woche verlassen hatte:

"Er sah Menschen, die er kannte, sie kamen aus den Bunkern und ihre Haare hatten sich weiß gefärbt, sie schienen verrückt und gleichgültig umher oder wegzulaufen ohne zu wissen, wohin."  

"Er sah andere, sie saßen in bequemen Sesseln inmitten der großen Straßen als würden sie auf eine Veranstaltung warten. Er sah Tiere aus dem Zoo, die von Polizisten erschossen werden mussten, weil sie die Verletzten angriffen..." 

"Mehr als 1.800.000 Menschen verließen die Stadt am ersten Tag, irrten ziellos auf dem Lande umher, um Schutz zu suchen. Kälte, Knappheit an Lebensmitteln und Neugier waren die Hauptgründe für ihre Rückkehr nach drei Tagen." 

"Zerstörende alliierte Luftangriffe gegen Berlin, berichtet die Tageszeitung PM am 2. Februar 1944, haben schätzungsweise die Bevölkerung der Stadt durch Tod und Evakuierung von 5.000.000 auf 3.000.000 reduziert.

Danach, in der Nacht des 15. Februar 1944 kam das, was die New York Times als endgültige und entscheidende Schlacht um Berlin beschrieb, als der schwerste Luftangriff der Geschichte mit annähernd 1.000 viermotorigen britischen Bombern erfolgte, die mehr als 2.800 Tonnen amerikanischer Bomben auf die Stadt abwarfen. Innerhalb von einem 30-minütigem Alptraum fielen die Explosions- und Brandbomben, was pro Minute mehr als 80 Tonnen bedeutete.

Bericht von der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche -> hier     

 

3. Cologne - Köln


Köln, eine Stadt mit 750.000 Einwohnern, war eine der schönsten und historischsten Städte in Deutschland. "Der Rum Kölns, so Nelsons Enzyklopädie, ist der Dom, eines der nobelsten und eindruckvollsten Beispiele der existenten gotischen Architektur. Die Grundsteinlegung erfolgte 1248.  

Ich habe die Stadt siebenmal zu unterschiedlichen Gelegenheiten besucht. In den engen und winkligen Gassen der Altstadt standen viele Häuser des 15ten und 16ten Jahrhunderts - und sogar älter. 

Als Hauptstadt des Rheinlandes erlitt Köln wiederholt Bombenangriffe, die siebzehnmal so viel bedeuteten, wie die Angriffe auf Coventry. Der 30. Mai 1942 wurde ausgewählt für den ersten blutigen 1.000-Tonen-Bomben-Angriff des "Sir" Arthur Harris. Die Times zitierte am 1. Januar 1943 einen Offizier der RAF mit den Worten: "Im Londoner Stadtgebiet sind 120 Hektar zerstört, während die großen Angriffe auf Köln 600 Hektar verwüstet haben. 

 
Das zerstörte Köln unmittelbar nach dem Krieg

(...später textete ein Karnevalssänger: "Am 30. Mai ist der Weltuntergang, doch keiner weiß in welchem Jahr und das ist wunderbar." Es ist nicht bekannt, ob er den 30. Mai 1942 im Hinterkopf hatte.

Ja, am 30 Mai ist der Weltuntergang.
Wir leben nicht mehr lang, wir leben nicht mehr lang.
Am 30 Mai ist der Weltuntergang.
Wir leben nicht mehr, leben nicht mehr lang.

Doch keiner weiß, im welchem Jahr,
und das ist wunderbar.
Wir sind vielleicht, noch lange hier,
und darum trinken wir.)

Während des Sommers 1943 zerstörte die RAF mit massiven Angriffen mehr als 80% der Innenstadt und weitere 75% der Stadtbezirke am westlichen Ufer des Rheins. Der Evening Standard am 30. Juni zitierte das deutsche Überseeradio und schrieb, dass neben dem Dom, die römisch-katholisch Kirche St. Cuthbert Opfer sei. Insgesamt wurden 35 Kirchen als zerstört gemeldet.

Am 5. August zitierte der Daily Telegraph einen detaillierten Bericht der Schweizer Tageszeitung "Tagiblatt aus St. Gallen" zu den mörderischen Angriffen. Ein Schweizer Staatsbürger, der gerade von Köln zurückgekehrt war, wo er seit 1936 lebte, berichtete: "Die Innenstadt wurde in der Nacht vom 28. Juni, als geschätzte 1.000 Tonnen Bomben fielen, völlig zerstört. Ein Monat zuvor wurden mit einer "100% Arbeit" die Vorstädte, die von Arbeitern bewohnt wurden, dem Erdboden gleichgemacht. Er berichtete weiter über die erfolgten Zerstörungen:

   

"Abgesehen vom Dom und ein paar isoliert stehenden Häusern, existiert die Innenstadt von Köln nicht mehr. Unter den zerstörten Gebäuden sind das Rathaus, die Hansa Halle mit ihrer bekannten gotischen Fassade und das Wallraf-Richarts-Museum..." 

"Um den Dom herum, das ist die nackte Tatsache,  gerade 27 Meter entfernt, sind alle Hotels und Geschäftshäuser bis auf die Fundamente zerstört und abgebrannt. Das Savoy-Hotel ist zusammengefallen. Von der großen Mühlheimer Brücke, ein Wahrzeichen auf Postkarten, war nur noch dicker Rauch zu sehen. Als ich in die Stadt gefahren bin, habe ich die Bäume entlang des Rheins gesehen. Sie standen dort ohne Blätter und waren bedeckt mit einer dicken Staubschicht. So habe ich mir immer eine prähistorische Landschaft ohne Leben vorgestellt. Als ich die geschundenen Menschen sah, erfasste mich ein kalter Schauer." 

    
Das "gewollte" Elend der "Bombardierer"?

"In Köln wirkten die Menschen gleichgültig und teilnahmslos. Sie waren zu müde, um zu sprechen. Nur sieben Stunden nach dem Angriff lagen vor den Häusern alle möglichen Dinge und transportierbares Eigentum. Ferner waren dort entkräftete Menschen zu sehen." 

"In der Glockengasse begegnete ich einer Frau, die unter den Leichen einen Verwandten suchte. Weiter in der Stadt, auf einem großen Platz der Stadt, waren Hunderte von Leichen abgelegt."

Friedenskrippe 2006 -> hier  

 

4. Diisseldorf


Einstmals eine leuchtende, helle, saubere Stadt mit liebenswerten Parks und freundlichen Bewohnern, das war Düsseldorf!  Nach dem schweren Angriff am 12. Juni 1943 wurde Düsseldorf vom Korrespondent des News-Chronicle als tote Stadt beschrieben. "In nur einer Nacht ermordet." Mehr als 380 Hektar der Stadt - wie auch immer - waren bereits Ende 1942 zerstört gewesen. 

36 Stunden nach dem Juni-Angriff kommentierte die Sunday Times: "Luftangriffe von der Schlagkraft wie Freitag nacht gegen Düsseldorf bedeuten das praktische Ausbluten einer Stadt, in der kein geordnetes und zivilisiertes Leben mehr möglich ist." Am 22. Juni fügte der News-Chronicle hinzu: "Einem Bericht der gut informierten katholischen Schweizer Zeitung "Vaterland" zufolge sind von 600.000 Einwohnern 400.000 ohne Bleibe und 20.000 kamen ums Leben."

Ein neutraler Bericht eines Schweizer Korrespondenten in "Das Volksrecht (Zürich)" vom 2. Oktober 1943 informiert wie folgt:    

"Düsseldorf machte den fürchterlichsten Eindruck aller westdeutschen Großstädte. Die einstmals schöne Stadt ist eine Anhäufung von Ruinen. Die Fröhlichkeit der Bevölkerung ist verschwunden. Überall sind nur noch traurige Gesichter zu sehen. Der neue Bahnhof ist komplett zerstört worden. Der Bahnhofsplatz mit seinen großen Hotels und der Hauptpost ist mit Trümmern bedeckt. Alle Straßen, die zum Platz führen, zeigen das gleiche Bild der Zerstörung. Die Nord- und Südzentren haben am meisten abbekommen. Alle Unterhaltungsgebäude sind verschwunden: "Das Stadttheater, das Konzerthaus, das Jägerhof Schloss, das Apollo-Theater und alle großen Kinos, die großen Warenhäuser wie das Kaufhaus Tietz. Die modernen Hotels, wie der Breitenbacher Hof, das Parkhotel und das Hochhaus sind total ausgebrannt. Ein hoher Polizeivertreter erzählte mir, dass 2.500 Menschen den Tod fanden während eines Nacht-Bobardements und dass im Gebäude der Provinzial Versicherung noch immer Leichen lägen.. 18.000 Wohnhäuser wurden in Düsseldorf zerstört und damit blieben 350.000 Menschen ohne Bleibe. Diese Angaben beinhalten nicht die Zerstörungen in den Industrievororten Gerresheim und Benrath."    

Noch nicht einmal diese tote Stadt reichte dem Bomber-Kommando und seinem Sir. Am 5. November 1943 berichtete ein Artikel von Charles Ray, Befehlshaber der RAF, über einen weiteren schlimmen Angriff: 

"Mit einer ihrer großen Energieleistungen warf die RAF über 2.000 Tonen Brand- und Explosionsbomben auf westdeutsches Gebiet in der Nacht vom Mittwoch. Damit wurden innerhalb von 24 Stunden insgesamt 4.000 Tonen abgeworfen, die größte Menge, die je innerhalb eines Tages eingesetzt wurde. Düsseldorf war das Hauptziel. Der Angriff dauerte 27 Minuten. Nach dem 2.000 Tonen-Angriff am 13. Juni, zeigten Aufklärungsfotos, dass die Stadt zu zwei Drittel zerstört war. Düsseldorf wurde zum 58. Mal angegriffen. Von unseren Bombern wurden 19 verloren."      

 

5. Hamburg

Die Zerstörung von Hamburg in der Zeit vom 24. Juli bis zum 2. August 1943, ähnlich der späteren Zerstörung von Berlin, mag unsere Stärke, den Krieg zu gewinnen, aufzeigen. Sie zeigt aber auch unwiderlegbar und transparent, in welchen moralischen Abgrund unsere geistige Einstellung gerutscht ist.  

Mit acht schweren Luftangriffen innerhalb von acht Tagen und Nächten wurden 10.000 Tonen Brand- und Explosionsbomben in die Stadt mit 1.800.000 Einwohnern geworfen. Rund 15 Quadratkilometer bzw. 77% der bebauten Fläche (Daily Telegraph am 20. September 1943) wurden zerstört. Kaum einer, das wird behauptet, entkam dem stark bevölkerten Gebiet, in welchem die Alliierten einen meilenweiten Bombenteppich mit Brand- und Explosionsbomben gelegt hatten. Mindestens 20.000 kamen in Bunkern ums Leben, Daily Mail am 9. Oktober 1943. Ein RAF-Befehlshaber musste eingestehen (Daily Telegraph am 20. September 1943), dass diese Angriffe hauptsächlich Geschäfts- und Wohnhäuser der bebauten Gebiete zerstört hätten.    

Aufnahmen nach den Angriffen zeigten, dass von den 4.000 Hektar bebauter Fläche 1.700 zerstört waren, während von 3.400 Hektar weniger stark bebauter Flächen ebenfalls 1.900 Hektar total zerstört wurden. (Daily Telegraph, 6. August 1943). Ein RAF-Offizier, der über Hamburg geflogen war, sagte:  

"Die Bezeichnung Luftangriff ist nicht länger aussagekräftig genug, um das zu beschreiben, was passiert ist. Mein Eindruck aufgrund von zwei der sechs Angriffe innerhalb von 72 Stunden ist die reine Verwüstung. Im Vergleich dazu sind die gegnerischen Angriffe auf London ein Kinderspiel. Was gegen Hamburg ausgeführt wird, das kann wiederholt werden gegen alle ausgewählten Ziele. Hamburg war das erste Ziel, mit dem wir uns beschäftigt haben." (Daily Telegraph, 29. August 1943) 

Ein anderer RAF-Befehlshaber beschrieb die Luftangriffe als die "zerstörendsten Bombardements in der Geschichte" und meinte: "Entsprechend aller gewollten Ergebnisse liegt eine Stadt mit 1.800.000 Einwohnern vollkommen in Trümmern. Das ist möglicherweise die umfassendste Zerstörung und die größte Auslöschung einer Stadt, die es je gegeben hat und geben wird. (Anmerkung: Zu diesem Zeitpunkt konnte sich noch keiner einen Atombombenabwurf vorstellen.) 

Ein Augenzeuge der Luftangriffe, schrieb in der Schweizer Tageszeitung "National Zeitung" diesen Bericht:

"Wir kamen durch ganze Straßenzüge, Plätze und sogar Stadtteile, die dem Erdboden gleicht gemacht waren. Überall lagen verkohlte Leichen und die verletzten Menschen blieben ohne jegliche Hilfe sich selbst überlassen. Wir werden uns an diese Hamburger Straßen so lange erinnern wie wir leben. Verkohlte Leichen Erwachsener waren zusammengeschrumpft auf die Größe von Kindern. Frauen irrten halb verrückt umher. In dieser Nacht wurde das größte Arbeiterviertel ausradiert." 


Ein Arbeiterviertel in Hamburg

"Eine spätere Schätzung ergab mehr 58.000 Tote aufgrund der acht Angriffe gegen Hamburg. (Daily Telegraph vom 9. August 1943) Die offiziellen deutschen Zahlen, wie das bei offiziellen Schätzungen üblich ist, wenn diese für die Öffentlichkeit und das Ausland bestimmt sind, ging von weniger Toten aus, obwohl zugegeben wurde, dass eine genaue Angabe der Toten nicht möglich sei. Ich bin dabei, die Zahlen zusammenzutragen. Es muss noch viel schrecklicher gewesen sein. Alleine 18.000 Menschen sind ertranken, als der Elbtunnel von einer Bombe getroffen wurde."

Ein offizieller dänischer Konsul wurde von der Stockholmer Tageszeitung "Altonbladet" befragt, nachdem er der brennenden Stadt entkommen war, und berichtete: 

"Hamburg wurde dem Erdboden gleich gemacht und hat aufgehört zu existieren. Ich kann nur erzählen, was ich mit meinen eigenen Augen wahrgenommen habe. Viertel nach Viertel wurde ausgelöscht. Wenn man durch Hamburg fährt, dann fährt man durch Leichen. Überall in den Straßen sind sie und teilweise sogar in Baumkronen:" 

"Schwedische Seeleute kamen in Malmö an und behaupteten, dass nur noch 50 Häuser in ganz Hamburg stehen würden. "Am Samstag", sagten sie, "war die Zerstörung so umfassend, dass noch nicht einmal mehr die Sirenen funktionierten."

So übertrieben, wie die erste Stelle der Aussage erscheint, ein Absatz im Evening Standard vom 29. November 1943 berichtete: "Nun ist es möglich, eine halbe Stunde durch Hamburgs Zentrum zu fahren ohne ein einziges Haus zu passieren. In diesem Zusammenhang erreichte die Nachrichtenagentur Reuters ein Bericht von Stockholm, "es wird gesagt, dass ein großer Teil der Stadt so verwüstet sei, dass keine Möglichkeit bestehe, die Ordnung wieder herzustellen."  


Hier "lebten" einst Menschen

Andere schwedische Flüchtlinge beschrieben die grausigen Eigenschaften unserer Phosphor-Brandbomben: 

"Sie sprachen von seltsamen Wahrnehmungen, wie Gärten in Flammen, in einer Stadt, heimgesucht vom Feuer. Hunderte von Menschen wurden in den Straßen gefunden, zu Tode verbrannt in ebenso verbrannter Kleidung. Rund 47.000 Leichen wurden gezählt, bevor die offizielle Suche begann. Die Schätzungen gehen von 65.000 bis 200.000 Menschen aus."

"Die Stadt ist fast völlig verwüstet. Für zwei Wochen sind die Feuer unkontrolliert durch die Stadt gerast, haben die Menschen fast mit ihrem Rauch vergiftet. Ein grässlicher Geruch hängt über den leeren Straßen, wo die Mauern noch immer gespeicherte Hitze des Angriffs abstrahlen."

"Einige der Flüchtlinge trugen seltsame Kleidungsstücke wie Bademäntel und beschrieben die Stadt als die totale Hölle. Während der bombastischen Explosionen brach öfters in den großen, bis zu achtstöckigen Bunkern mit 3.000 bis 6.000 Menschen, Panik aus." 

Ein Deserteur von einem deutschen Schiff brachte diese Fakten ein, als er von einem Stockholmer Korrespondent des Daily Telegraph interviewt wurde. Die Menschen, meinte er, liefen wie von Sinnen in den Bunkern herum. Sie schrieen und warfen sich hin und her, bissen und kratzten an den Türen, die von Wächtern verschlossen waren. 

Andere Berichte sagten, dass aufgrund der großen Feuerhitze die Menschen in den Bunkern erstickt waren. Am 20. September bestätigte diese Aussage der folgende Artikel des Chefredakteurs der Baseler Nachrichten.

Dieser Artikel beschreibt das physikalische Phänomen eines Feuersturms während eines der Angriffs gegen Hamburg, während dessen mehr Menschen in ein paar Stunden ums Leben kamen als während der gesamten Luftangriffe auf London seit Beginn des Krieges.

"Während der Bombardierung von Hamburg wurde innerhalb von wenigen Quadratkilometern eine Katastrophe herbeigeführt, die alles bis dahin Gewesene an Bombenkriegen in den Schatten stellte. Sie entstand durch das Flächenbombardement mit Tausenden von Luftminen, Explosions-, Phosphor- und ganz normalen Brandbomben."

"Es muss unterstrichen werden, dass der Effekt eines Feuersturms nur dann erreicht werden kann, wenn eine dicht bevölkerte Wohngegend bombardiert wird aber keinesfalls bei einem Bombardement von Industriegebieten. Jeder Kriegsphysiker hätte diesen Effekt voraussagen können, wenn er die Anzahl der Explosions- und Brandbomben im Verhältnis zu dem bombardierenden Gebiet gerechnet hätte. Es ist ein bekannter Fakt, dass jedes offene Feuer den benötigten Sauerstoff aus der ihm umgebenden Zone saugt und große Feuer, außer es ist ein starker Wind gegeben, den sog. Kamineffekt erzeugen, der die Flammen immer wieder von neuem anfacht. Wenn sich dann in einigen wenigen Quadratkilometern die Feuer in den Straßenschluchten neue Nahrung suchen und dabei aufeinandertreffen und einen einzigen großen Feuerteppich bilden, entstehen ein extrem hoher Sauerstoffverbrauch und gigantisch hohe Flammen. Englische Berichte sprachen davon, dass die Brandherde von Hamburg wie ein einziges Feuer eine Höhe von 6000 Metern erreichten."

"Unter diesen Umständen entsteht ein Luftsog wie bei einem Sturm. Aus allen Richtigen wird Luft abgesogen in den Brandherd. Die Straßen dienen als Kanäle, so dass die Luft horizontal in die Feuer gesaugt wird. Es konkurrieren das Feuer und die Menschen um den Sauerstoff. Dabei haben die Menschen die schlechteren Karten und so werden die letzten Sauerstoffreserven aus den Kellern und Bunkern gesaugt, während das Feuer in den Straßen den gesamten Sauerstoff für seinen Brand verbraucht."

"Die unmittelbaren Folgen in den Kellern sind Luftknappheit und Atembeschwerden für die Menschen. Zur gleichen Zeit nimmt die Temperatur in den Bunkern unerträglich zu. Die Menschen können die Bunker jedoch nicht verlassen. 

Zu Beginn des Bombardements gibt es ein ständiges Niederprasseln von Explosions-, Brand- und Phosphorbomben, welche einen feinen Regen in einer Mischung von Gummi und Phosphor zur Folge haben. Erfahrungen haben gezeigt, wenn die Leute sich schlussendlich entscheiden, den Keller zu verlassen, dann ist es meistens zu spät. Sie haben nicht mehr die Kraft, um ihr Vorhaben auszuführen. Hinzu kommt der Mangel an Sauerstoff und die Hitze in den Straßen. Man hat festgestellt, dass Männer mit höherem Leistungsvermögen und widerstandsfähigerer Kleidung besser dran sind als Frauen und Kinder, um diese Art der Angriffe zu überstehen. Deshalb sind hauptsächlich Frauen und Kinder die Opfer. Zahllose, total verkohlte Frauen- und Kinderleichen wurden an den äußeren Hausmauern gefunden. Wenn sie in ihren leichten Sommerkleidern die Keller verließen, trafen sie auf den Feuersturm, der sie schon bald in brennende Fackeln verwandelte."

"Natürlich kamen auch Hunderte und Tausende von Männern in den Straßen der Hamburger Viertel um. Angehörige der Hamburger Leichenbergung meinten, dass bei dieser Art des Luftangriffs nur ein geringer Prozentsatz der Wohnbevölkerung lebend entkommen konnte. Eine Art Wirbelsturm und eine Feuerwand kesselten das gesamte Gebiet ein. Nur die konnten sich retten, die gleich bei Beginn des Angriffs geflohen seien. Noch nicht einmal große Straßen oder mittelgroße Plätze gaben Schutz." 

"Die Umstände in den Kellern, wenn diese zwischenzeitlich geöffnet werden konnten, gaben Hinweise darüber, welche Temperatur in den Straßen geherrscht haben musste. Die Menschen in den Kellern waren nicht nur erstickt und verkohlt, sondern nur noch ein Häufchen Asche. In anderen Worten, diese Keller wurden Kammern des Todes, in denen eine höhere Temperatur als in einem Krematorium erreicht wurde. Ein Arzt, der die Bergung der Leichen beaufsichtigte, meinte, dass die Knochen der Menschen stärker verbrannt seien als in einem Krematorium möglich. Die Leichen konnten deshalb nicht mehr identifiziert werden. Alles was von den Menschen und ihren Habseligkeiten übrig geblieben war, war Asche, nicht mehr."   

"Die 20.000 geborgenen Leichen kamen hauptsächlich aus diesem Viertel. Noch jetzt ist die Bergung sehr schwierig, weil noch nach zwei Wochen die Keller überhitzt sind und nur bei ein wenig Sauerstoff die Feuer wieder entfacht werden."

 
Leichen in Hamburg

"Viele Berichte von Überlebenden sprechen von brennende Frauen und Kinder. Sie sprechen von Frauen, die ihre Kinder in die Kanäle warfen, wofür diese wirklich nicht eingerichtet wurden. Wie hoch die Temperatur war in den Straßen zeigen auch die Fensterscheiben und die Metallrahmen, welche ebenfalls nur ein Haufen Asche waren."

"Wie erwähnt, das alles passierte in einem genau definierten Zielgebiet von einigen Quadratkilometern. Offensichtlich können die beschriebenen Effekte nur in dicht besiedelten Wohnvierteln mit hohen Häusern und engen Straßen erreicht werden. Die Straßen brauchen jedoch nicht unbedingt eng zu sein, denn es wurden Frauen und Kinder auf einem Spielplatz gefunden, welche erstickt waren, halb verbrannt mit all ihren Kleidern vom Feuersturm. Dieser Spielplatz lag im Zentrum an einer Straßenkreuzung. Es wird deshalb zur Gewissheit, dass Luftangriffe in dieser Form ganze Viertel einer großen Stadt, vor allem Wohnviertel für Arbeiter und Angestellte, zu einem feurigen Grab ohne Fluchtmöglichkeit machen können, wenn die Bewohner nicht bei Beginn des Angriffs die Initiative ergreifen und vor dem Regen von Explosions-, Phosphor- und Brandbomben fliehen." 

 

6. Mainz

Mainz, im großen Herzogtum von Hessen, war eines der wichtigsten Handelszentren am Rhein. Es war auch eine Stadt von ungewöhnlichem historischen Reichtum. Mainz wurde von den Römern als "Maguntiacum" 13 v.Ch. gegründet. Eine besondere Bedeutung wurde Mainz in 747 zu Teil, als die Stadt Sitz des Erzbischofs wurde. Der bildhaft schöne Dom am Marktplatz in seiner neueren Form wurde vom 12. bis 14. Jahrhundert erbaut und ständig verschönert. 

In einem Luftangriff der RAF im August 1942, brannten dieser Dom und viele andere Kulturdenkmäler bis auf den Grund nieder. Nach der Frankfurter Zeitung wurde der Palast des Erzbischofs ebenfalls schwer beschädigt und weitere fünf  Kirchen in Mitleidenschaft gezogen. 

Während November 1942,  wurden dem Besucher der Ausstellung in Messrs. Rootes, in Piccadilly, mit Großfotos die Zerstörungen durch Luftangriffe in Deutschland und anderen Städten auf dem Kontinent mit folgender offizieller Beschreibung der RAF gezeigt:

"Die ganze Stadt ist zerstört. Ungefähr 135 Hektar umfassen diese Verwüstung." 

"Dieses ist das Herz von Mainz, das größte Gebiet mit intensivster Verwüstung irgendwo in Deutschland. Geschäfte, Büros, Kunstgalerien sind zerstört. Hier sind 4.000-Pfund-Bomben eingeschlagen und was einst eine bebaute Fläche war, das ist nun Leere."

 

7. Münster


Die Altstadt von Münster, die Hauptstadt Westfalens, besaß einen wunderschönen romanischen Dom und viele anderen architektonischen Schätze. Um einen ausländischen Beobachter zu zitieren:

"Ich habe weder Lübeck noch Rostock gesehen, aber ich sah Münster für einige Tage, nachdem es von euch mehrere Male bombardiert wurde. Dort stand kaum noch ein Gebäude in der Stadt. Haus für Haus ist eine leere Muschel mit geschwärzten Mauern. Straße für Straße ist eine Allee mit unendlichen Trümmerhaufen auf jeder Seite."

"Münster, faktisch so etwas wie Guernica in größerem Ausmaß, eine fürchterliche Demonstration dessen, was stures Massenbombardement in einem begrenzten Gebiet anrichten kann. Erhöht das Ausmaß und das gleiche Resultat wird in größeren Gebieten erreicht. Es gibt eine Grenze dafür, was Menschen ertragen können und ich sage, die Grenze kann nüchtern kalkuliert und erreicht werden." 

Am 1. Januar 1943 berichtete die Times, dass 260 Hektar der kleinen Stadt verwüstet wurden. Später, am 13. Oktober 1943 wurde festgehalten, dass Münster ständig bombardiert wurde und das Gebiet des Reiches bekämpft und in Schutt und Asche gelegt wird wie niemals zuvor in der Geschichte der modernen Kriegsführung.

"Der Angriff erfolgte als die Kirchen mit Gläubigen gefüllt waren und das war der Grund für die hohen Verluste. Da Münster keine erwähnenswerte Industrie hatte und auch nicht in seiner Nähe, war die Stadt  kaum beschützt."

Noel Panter kommentiert weiter: "Was immer Münster zur Zeit an Industrie hat und nicht hat, der Berichterstatter verschweigt eben sorgfältig, dass die Stadt ein großes Depot für das Heer hat, ein administratives Zentrum ist und ein wichtiges Kommunikationszentrum ist." 

Mit dem kürzlich erwähnten "ganz perversen Sinn für die Vergeltung" beschreibt der deutsche Pressesprecher nun Münster als eine "Bischofsstadt" und fügt hinzu:

"Es besteht eine Diskussion darüber, ob der Angriff ganz besonders niederträchtig war, denn die Gottesdienste in den Kirchen waren gut besucht und selbst Göbbels konnte die Deutschen kaum davon überzeugen, dass von der britischen und amerikanischen Luftwaffe die Gottesdienstzeiten im gegnerischen Land nicht berücksichtigt würde."  

Die Kursiven sind mein. Entsprechend diesem Argument war es für die Luftwaffe völlig in Ordnung, eine Anzahl von Kindern zu bombardieren, die die Sonntagsschule in Torquay besuchten.   

Die Beschreibung von Münster als "eine Bischofsstadt" ist nicht falsch, denn der sächsische Bischof wurde dort von Karl dem Großen in 805 eingesetzt. 

Seit Beginn des Krieges machten die Nationalsozialisten auch Propaganda mit den Heldentaten des deutschen Adels. 

Die Stadt hatte viele mittelalterliche Gebäude, u.a. die gotische Kirche St. Lambert aus dem 14. Jahrhundert und die 1771 gegründete Universität. In der 1335 gebauten Stadthalle war der Friede von Westfalen nach dem Dreißigjährigen Krieg am 24. Oktober 1648 geschlossen worden. Über diesen Krieg schrieb Harvey Robinson in das Buch der Geschichte über Westeuropa, ein Standardwerk für Schulen, welches erstmals 1902 erschien:   

"Die Menge an Unglück und der Bevölkerungsrückgang in Deutschland durch den 30-jährigen Krieg waren unglaublich. Tausende von Dörfern wurden ausgelöscht. In einigen Regionen war die Bevölkerung auf die Hälfte reduziert, einem Drittel oder es waren nur noch wenige Überlebende anzutreffen. Die blühende Stadt Augsburg hatte zu Beginn des Krieges 80.000 Seelen und bei Ende nur noch 16.000. Die Menschen waren fürchterlich und barbarisch durch die Soldaten aller Herren Länder malträtiert worden. Noch zum Ende des 18. Jahrhunderts, also 150 Jahr später, war Deutschland immer noch zu entkräftet und zu verarmt, um irgendeinen bedeutenden Beitrag zu Europas Kultur zu leisten."    

Der Daily Telegraph berichte durch seinen Korrespondenten, wie auch immer, dass das Reichsgebiet am Boden läge wie nie zuvor in der Geschichte des modernen Krieges; in anderen Worten, die historischen Städte des Gegners waren kaputter als im 30-jährigen Krieg. Es lässt sich deshalb nicht vermeiden, dass die Entbehrungen und ein schreckliches Leben nach dem Krieg schlimmer sein und länger dauern könnte. 

Ist das die Zukunft, die sich selbst die vernünftigen britischen und amerikanischen Bürger mit Freude wünschen?

 

8. Nuremberg - Nürnberg

In den vergangenen Jahren war Nürnberg wenig durch einen wenig beneidenswerten Umstand berühmt geworden. Nürnberg war die Stadt der Reichsparteitage der NSDAP mit all den Feierlichkeiten, Aufmärschen, Umzügen und Reden des Führers und anderer bedeutender Nationalsozialisten. Nürnberg hatte eine über viele Jahrhunderte gehende Geschichte und wurde bereits 1219 zur freien Reichsstadt erklärt. Die Alliierten bombardierten die historischen Städten mit der Entschuldigung, dass es sich um die Stadt der Reichsparteitage handle, von wo die Katastrophe ausgegangen sei. 

Zusatzinformation durch den Übersetzer: "... ein eigenartiger Rausch, mystische Ekstase"

Die pseudoreligiöse Verehrung Hitlers wurde im "Dritten Reich" mit allen Mitteln der Propaganda, der Erziehung und des Terrors durchgesetzt: Kein Schul- und kein Amtszimmer ohne Hitlerbild; Straßen und Plätze wurden nach dem "Führer" benannt; der tägliche Gruß lautete "Heil Hitler!"; Lieder, Gedichte und Lesestücke verherrlichten den "Führer"; fast jeder deutsche Junge und fast jedes deutsche Mädchen gehörten vom 10. bis zum 18. Lebensjahr der Hitlerjugend oder dem "Bund deutscher Mädel" (BdM) an; die Soldaten wurden ab 1934 durch einen heiligen Eid verpflichtet, Hitler "unbedingten Gehorsam" zu leisten. Die Verherrlichung des "Führers" verstieg sich bis hin zu gebetsähnlichen Formeln. 

Der französische Botschafter in Berlin, André François-Poncet, beschrieb die Faszination, die die Person Hitlers nicht nur auf seine Anhänger ausübte, anlässlich eines Parteitages in Nürnberg: "Aber erstaunlich und nicht zu beschreiben ist die Atmosphäre der allgemeinen Begeisterung, in die die alte Stadt eingetaucht ist, dieser eigenartige Rausch, von dem Hunderttausende von Männern und Frauen ergriffen sind, die romantische Erregung, mystische Ekstase, eine Art heiligen Wahns, dem sie verfallen. Während acht Tagen ist Nürnberg eine Stadt, in der die Freude herrscht, eine Stadt, die unter einem Zauber steht, ja fast eine Stadt der Entrückten. Es geht davon eine Wirkung aus, der viele nicht zu widerstehen vermögen, sie kehren heim, verführt und gewonnen, reif zur Mitarbeit, ohne die gefährliche Wirklichkeit bemerkt zu haben, die sich unter dem trügerischen Prunk der großartigen Aufmärsche verbirgt.

Hitler ließ in Nürnberg mehrere Festplätze verschiedener Größe anlegen, von hohen und langen Steintribünen gesäumt. Hier hält er seine Ansprachen. Die Woge der Leidenschaft, die von ihm ausgeht, hebt ihn über sich selbst hinaus, sie brandet bis an den Rand der Arena, von wo sie im Sturm der Rufe und des Beifalls zu ihm zurückflutet."
  

Nelson's Enzyklopädie hält über Nürnberg fest:

"Dort sind alte Stadtmauern und uralter Mörtel. Nürnberg war eine der reichsten Städte im Mittelalter und ist deshalb voll von mittelalterlichen Gebäuden und Kunstschätzen. Albrecht Dürer, Veit Stoß, Peter Vischer und Adam Kraft lebten und arbeiteten in Nürnberg. Die Kirchen sind reich an unbezahlbaren Gemälden, Ausstattungen und Schnitzereien. Die Burg von 1050 wurde vergrößert durch Friederich I, genannt Barbarossa (der mit dem roten Bart). Für viele deutsche Herrscher war diese Burg eine Residenz. Im deutschen Museum ist eine der bekanntesten und wertvollsten bibliothekarischen Sammlungen von 1445. Es existiert ein altes dominikanisches Kloster mit einer Bildergalerie mit Meisterwerken von Holbein, Dürer und anderen." 

Von dieser historischen unbezahlbaren Stadt, die für Deutsche und alle Germanistikstudenten das ist, wie Oxford für uns selbst, waren Ende 1942 rund 106 Hektar zerstört. Zusätzlich zu den nicht mehr zu ersetzenden Schätzen hatte die Stadt weitere Besonderheiten des Mittelalters, wie die engen Gassen mit dicht aneinander gebaute alte Wohnhäuser aus Fachwerk. In seinem bekannten Berlin-Tagebuch beschreibt William Shirer einen Reichsparteitag über welchen er zu berichten hatte: "Die engen Gassen, die einst Hans Sachs und die Meistersinger sahen, die gotischen Schönheiten dieser Stätte, die Fassaden der alten Häuser, die Satteldächer, die Straßen kaum breiter als ein Weg, das schöne alte Rathaus...."         

Am 10. August 1943 warf die RAF auf diese Gassen und dicht bebauten Wohnfläche, mit den leicht zu entzündenden Häusern 1.500 Tonnen Bomben - und weitere 1.500 Tonnen am 27. August. 27 Bomber kehrten nicht zurück. Die offiziellen deutschen Zahlen - fast sicher untertrieben - lagen bei 3.947 Toten. Am 29. August 1943 hielt der Sunday Express fest: 

"Wenige Städte, auch in Deutschland, haben solch eine Zertrümmerung mit einem Schlag, wie das mittelalterliche Nürnberg, die "heilige" Stadt Bayerns für die NSDAP, hinnehmen müssen. Die gigantische Bomber-Armada mit dem Ziel Nürnberg donnerte für mehr als eine Stunde über Südost England am späten Freitag hinweg."

"Das Resultat war in einem prägnanten Satz eines Heckschützen zusammen gefasst. Er meinte: "Ich schätze, dass wir das ganze Gebiet umgelegt haben."

Unter der Titelzeile, "Wir haben die Aufgabe wirklich gut erledigt", die Geschichte des großen Luftangriffs von einem Mann erzählt, der dabei war, Edward J. Hart, Reporter des Express:

"Nürnberg, eines der Zentren für wichtige Kriegsproduktion war ein kochendes Freudenfeuer als unser überaus starken Verbände mit 4-motorigen Bombern den Schauplatz verließen. Die Mannschaften kamen im Morgengrauen zurück und berichteten mit "Feuer und Flamme" darüber, was ihre schweren Bombardierungen mit Explosions- und Brandbomben angerichtet hatten."       

"Ein einziger Kern von anwachsenden Flammen mit hochschießenden Säulen von schwarzem Qualm bis zu 5.000 Meter Höhe und sichtbar noch 250 Kilometer weit, so hörte sich die bildhafte Beschreibung von Flugfeldwebel John Crabb aus Glasgow, der Navigator der S (steht für Zucker), an, der seinen 22. Einsatz bei einem Luftangriff gegen Deutschland hatte."

"Ich habe mir niemals vorstellen können, dass eine Stadt so brennen kann, erklärte der Heckschütze der A (steht für Apfel), Feldwebel Harry Smith aus Cardiff nach seinem 37. Einsatz."

Im Volksrecht, Zürich berichtete ein Schweizer Korrespondent am 2. Oktober 1943: "Die gesamte Stadt Nürnberg ist ein Trümmerhaufen, nur die Werke von Siemens-Schuckert, die möglicherweise das Ziel des Bombardements waren, blieben ohne Schaden." 

 

9. Tbree Prussian Towns (Anklam, Marienbad, Remscheid) - Drei preußische Städte (Anklam, Marienbad und Remscheid)

Drei Berichte aus erster Hand beschreiben die Wirkung von zerstörenden Luftangriffen auf kleinere Städte, wo weniger Bevölkerung lebt und deshalb die Verteidigung weniger leistungsfähig ist bzw. gegen Null geht. Die beiden ersten Meldungen standen im News-Chronicle und stammten von heimkehrenden britischen Soldaten:   

"Mit den Verwundeten kam eine Gruppe von RAF-Angehörigen, von denen einige mehr als dreieinhalb Jahre in Gefangenschaft waren. Die Männer hatten schon fast vergessene Flugzeugtypen wie Withneys, Fairey Battles und andere Flugzeuge geflogen."

"Die Männer und andere Piloten kamen nach ihrer Befreiung auf dem Weg zum Auslaufhafen durch Anklam. Leutnant Howard, ein Neuseeländer, ein Kampfpilot, erzählte mir: "Wir waren absolut sprachlos bei dem, was wir sahen. Es erschien uns, dass alles, aber auch alles dem Erdboden gleich gemacht war. Es erschien so, als sei es immer und immer wieder zerschmettert worden. Es war einfach nichts mehr vorhanden."

Felbwebel Robert, RAMC, berichtete von diesem Erlebnis: 

"Wir stiegen ein und fuhren mit dem Zug durch Marienbad auf unserem Weg zurück. Die Stadt war dem Erdboden gleich, die amerikanischen Bomber hatten aufgehört zu bombardieren, denn es gab nichts mehr, was hätte zertrümmert werden können."   

"Eines, was mich berührte, war das aschfahle Aussehen der deutschen Frauen auf den Bahnstationen. Sie waren blass und unterernährt, ebenso ihre Kinder."

Eine Beschreibung des Luftangriffs auf Remscheid, Bevölkerung mit 107.000, erschien im Sunday Express:

"Remscheid, eine mittelalterliche Stadt im Rheinland (eigentlich das Bergische Land) und eine Zentrum der deutschen Maschinen- und Werkzeugindustrie. Es wurde wahrscheinlich nur einmal von der RAF bombardiert. Ein Navigator erzählte, dass das Flächenbombardement genau den eingezeichneten Angaben auf der Karte entsprach. Remscheid maß 3 Kilometer von Ost nach West und 6,3 Kilometer von Nord nach Süd."

Der nächtliche Luftangriff vom 30. auf den 31. Juli gegen Remscheid wurde auch vom Gruppen-Hauptmann Hugh Edward beschrieben. Der Angriff, sagte er, war nach 20 Minuten vorüber und 

"......Aufklärungsfotos zeigten zwei Tage später keinen Grund, warum die Stadt dem Erdboden gleich gemacht werden musste. Die wirkliche Zerstörung in großem Umfang wird durch unkontrollierbare Feuer hervorgerufen. Der Luftangriff ist eine fortlaufende Zusammenballung, um die Verteidigung zu schwächen und aufzuheben. Die Mannschaften haben keine Zeit, um sich Gedanken über die schlimmen Auswirkungen unter ihnen, hervorgerufen durch ihre Luftangriffe zu machen. Sie wollen den Befehl ausführen und sich selbst wieder in Sicherheit bringen."  

Zweifellos machen sich die Mannschaften jetzt keine Gedanken darüber, welchen grässlichen Tribut die zivile Bevölkerung zahlen muss, weil sie nur das eigene Überleben im Kopf hat und zweifellos können sie sich die verzweifelten Kinder unter ihren Bombern, eingeklemmt in Trümmern, schreiend um Hilfe nach ihren in unkontrollierbaren Feuern gefangenen Müttern nicht vorstellen. 

Aber welche Wirkung werden ihre Taten bei diesen jungen Fliegern haben, wenn sie in Zukunft erfahren, welche schlimmen Auswirkungen ihre Luftangriffe hatten und sie Zeit des Nachdenkens darüber finden? Möglicherweise werden ihnen die überlebenden Opfer vergeben, aber werden sie sich selbst vergeben können? Welche Alpträume werden sie verfolgen? Welche psychischen Zusammenbrüche werden sie erleben? Hat irgend eine Nation das Recht, ihre jungen Männer zu instrumentalisieren für ein derartiges Mordmommando? Das sind die Fragen, die wir uns schon heute selbst stellen müssen. Tausende von Müttern der jungen Bomberbesatzungen müssen sich schon jetzt diese Fragen auf dem Grunde ihres Herzens stellen. 

 

10. The Ruhr and Vicinity - Die Ruhr und ihre Umgebung

Das Ruhrgebiet wurde bekannt durch die französische Besetzung. 1923 und 1924 versuchte die Besatzung aufgrund des Versailler Vertrages astronomisch hohe Reparationszahlen aus Deutschland herauszuquetschen. Ich selbst habe 1924 einige Zeit im Ruhrgebiet verbracht als die französische Besatzungsmacht vor Ort war.  

Die Städte an der Ruhr und die Nachbargebiete sind das industrielle Herz von Nordwestdeutschland. Sie bedecken ungefähr die gleiche Fläche wie London und seine Umgebung. Gegen dieses Gebiet wurden mehr Flächenbombardements geflogen als gegen irgend einen anderen Teil von Deutschland.

Am 27. Juli 1943 beschrieb Robert Walker, ein Korrespondent des News Chronicle die Stadt Essen, den Stammsitz von Krupp mit allen seinen Fabriken, als die am meisten bombardierte Stadt. "Zu dieser Zeit war die Zerstörung Hamburgs noch nicht vollendet, die Vernichtungsangriffe gegen Berlin hatten noch nicht begonnen, als Essen nach Köln vom Bomber-Kommando im frühen Sommer 1942 für die neue Art des blutigen Luftangriffs mit 1.000 Bombern ausgewählt wurde.   

Einen deutschen Brief zitierte die Zeitung "Der  Zuhörer" (13. Mai 1943), er beschrieb den schweren RAF-Luftangriff gegen Essen am 5. März 1943: 

"Es war die Hölle, ein Höllenfeuer - auf Bombe folgte Bombe, Ströme von Phosphor kamen herunter und die Brandbomben fielen ohne Unterbrechung. Es ist ein Wunder, wir leben noch. Unser Viertel ist total zerstört. Nur noch westliche Teile von Essen stehen. Wir sind komplett ausgebommt."

Am 3. Juli 1943 berichtete der Chronicle, dass in Essen 100.000 Menschen kein Dach mehr über dem Kopf hätten. Mit diesem Ausmaß an Zerstörung und dem Leid der desolaten von Waffen gebrandmarkten Stadt war das Bomber-Kommando keinesfalls zufrieden. Am 25. Juli 1943 lieferten die Bomber weitere 2.000 Tonnen Bomben innerhalb von fünfzig Minuten.

"Zum Ende dieser Massenbombardierung stiegen der Qualm und Rauch des Feuers über 6.000 Meter hoch. Zuvor waren schon drei Angriffe mit 1.000 Tonen gegen Essen erfolgt. Nach der Nacht vom 7. auf den 8. Mai war die gesamte Bombentonnage, die auf Essen geworfen wurde, pro Quadratkilometer 650 schwer. Erst letzten Monat kamen Berichte von Deutschland, die feststellten, dass Essen eine tote Stadt sei." (News Chronicle, 27. Juli 1943)    

Entsprechend Angaben des News Chronicle: "Mehr als 1.000 Hektar der Industriestadt Wuppertal wurden verwüstet durch einen Luftangriff des Bomber-Kommandos in der Nacht vom 29. Mai 1943. Eintausend Hektar der Verwüstung in einer Stadt von 200.000 Einwohnern bedeuten bei der Berücksichtigung aller Fakten und Daten, dass diese Stadt verschwunden ist.

Der Daily Mail fügte am 5. Juli 1943 hinzu: "Zuerst nahm sich die RAF Barmen vor, die östliche Hälfte der Stadt Wuppertal und radierte dieses fast völlig aus. Dann kam knapp ein Monat später Elberfeld, die westliche Hälfte, dran.

Weitere grausliche Einzelheiten dieser Luftangriffe steuerte der Korrespondent der Schweizer Zeitung "Das Volksblatt" am 2. Oktober 1943 bei:

"Nach Aussagen der Polizei ergaben sich fürchterliche Szenen in Wuppertal, da die Stadt in einem Tal liegt und enge Straßen hat, was jegliche Flucht unmöglich machte. Unzählige Opfer liefen ziellos wie brennende Fackeln umher bis sie starben. Es kamen 18.000 Menschen in diesem Bombardement um." 

Im Mai 1943 brachen die Dämme der Eder- und Möhnetalsperre nach Bombardements zusammen. Vorher wurde es noch nicht einmal versucht, die hilflose Zivilbevölkerung in den flutbedrohten Tälern zu warnen. Das Ergebnis, wie der Sunday Express am 30. Mai 1943 festhielt: "Der Korrespondent von Reuters telegrafierte letzte Nacht, dass nach Aussagen verlässlicher Quellen, 70.000 Menschen durch die Dammbrüche ums Leben kamen."    

Davor hatte der News Chronicle am 19. Mai kommentiert:

"Westfalen ist bereits in einer Form bombardiert worden, wie man es sich außerhalb Deutschlands nicht vorstellen kann. Nicht einmal die missliche Situation unser bombengeschädigten Menschen hat das Ausmaß der Ruhr-Angriffe. Nun kommt ein neuer Terror hinzu. Die Verwüstung Tausender Häuser durch die Flut."  

Der nationale Nachrichtenbrief fügte am 24. Juni Einzelheiten hinzu:

"Die Explosion des Möhentalsperredamms war eine Katastrophe. Es begann mit einem schrillen Ton, der plötzlich überging in schnell fließendes und gurgelndes Wasser. Das Wasser war überall in den Zonen der Ruhr und den Bergen, trieb alles mit sich. Viele historische Teile von Soest wurden ganz einfach weggeschwemmt. Das Wasser strömte in Bergwerke und viele Arbeiter wurden während der Nachtschicht von der eindringenden Flut überrascht. Viele von ihnen mussten ertrinken, weil der Weg heraus durch das Wasser verschlossen war. - Es war anschließend kein Trinkwasser mehr in vielen Gebieten vorhanden.       

Abteilungskommandeur, Guy Gibson, der den Damm der Möhetalsperre bombardierte, beschrieb den Moment des Abwurfs, als der Damm brach und das Wasser freigab: 

"Eine hohe schäumende Fontäne stieg hoch in die Luft auf ca. 350 Meter und der Damm brach. Ich schaute wieder zum Damm und zum Wasser. Es war ein Anblick, den ich keinem anderen Menschen wünsche, ihn nochmals zu sehen. Unten im Tal sahen wir rasende Autos vor der großen Flutwelle, die sie jagte und schneller war als sie es hofften, selbst zu sein. Ich sah ihre leuchtenden Scheinwerfer und ich sah wie sie das Wasser einfing, einer nach dem anderen. Dann wechselte das Scheinwerferlicht unter Wasser die Farbe von blau zu grün, von grün zu dunkelrot bis lautlos und schnell nur noch Wasser zu sehen war."    

"Die Flutwelle raste weiter, nahm alles mit, Viadukte, Eisenbahndämme, einfach alles, was sich ihr in den Weg stellte."

"Dann fühlte ich mich ein wenig verloren und nicht von dieser Welt, sitzend in meiner warmen Pilotenkanzel der Lancaster, beobachtend die mächtige Kraft, die wir freigesetzt hatten. Plötzlich fühlte ich mich glücklich, ich wusste, es war das Herz von Deutschlands Industrie, die Stelle von der so viel Unglück in die ganze Welt ausgegangen war ."

Was der Abteilungskommandeur nicht sah und wofür er offensichtlich nicht die menschliche Vorstellungskraft hatte, waren das das Leid und die Vernichtung, die er für Tausende schlafender Familien, jedes Haus ein behüteter Ort, gebracht hatte. Von einem Moment zu anderen wurde ihr Leben, das Ebenbild Gottes, ausgelöscht.

 

Summary of the Ruhr Damage - Zusammenfassung der Zerstörung des Ruhrgebiets

Der News Chronicle zitierte am 6. Juni 1943 den Berliner Rundfunk mit einer Reportage zu den Luftangriffen im Nordwesten des Reichs:  

"In diesen Gebieten wurden die Zivilisten schlimmer heimgesucht als die Soldaten an der Front. Die Soldaten der Ostfront passierten das Gebiet. Sie standen schweigend im Zug und verbeugten sich vor den Opfern."

"Eine Aufzählung darüber, wie das Ruhrgebiet aussah....von Industriellen in Frankreich erhalten und weitergeleitet nach Madrid," es wurde am 6. August 1943 wurde im Daily Telegraph berichtet, "die Zerstörung ist unglaublich. Das Ruhrgebiet ist nur noch ein einziger endloser Trümmerhaufen aus verdrehtem Stahl. Rauch steigt  empor von noch immer brennendem Öl. Es wird geschätzt, dass 250.000 Arbeiter des Ruhrgebiets unter Gehörschäden leiden aufgrund der RAF-Bombardements."  

Der Beobachter fügt am 17. September hinzu: "Fotos der bombardierten Städte zeigten bei genauer Betrachtung mit blauen und roten Linsen, was eine dreidimensionale Sicht ermöglicht, eine fast unglaubliche Verwüstung in Ausmaß und Vollständigkeit.


Noch mehr grafische Details wurden kürzlich vom Schweizer Korrespondenten, der Wuppertal beschrieb, beigesteuert:  

"Über 70% der großen Weststädte waren zerstört. Ein Vergleich mit dem französischen Gebieten, die während des ersten Weltkriegs zerstört wurden, ist unmöglich. Die Zerstörungen in Westdeutschland sind schon jetzt um ein Vieles größer als die in Frankreich während des vorangegangenen Krieges."  

"Es ist bezeichnend, dass die größte Zerstörung in den Stadtzentren erfolgte, während die von den Briten als zerstört angegebenen Industrieanlagen ohne Schaden sind, wie ich selbst feststellen konnte. Die Städte, die unser Zug passierte, zeigen einen fürchterlichen Anblick wie Dortmund, Gelsenkirchen, Oberhausen und Duisburg sind nur noch ein einziger Trümmerhaufen von Unrat aus denen geisterhafte Reste hervorragen. Die Trümmerhaufen sind von einem derartigen Ausmaß, dass man sich oft fragt, wie das alles letztlich abtransportiert werden soll."

Vielleicht können einige Ökonomen, wie der in die Zukunft blickende Maynard Keynes, kalkulieren, welche materiellen Konsequenzen für Europa durch das gigantische Auslöschen von Deutschlands Schwerindustrie und den Städten entstehen. Unter denen, die die Vorstellungskraft haben, bleiben jedoch auch die psychologischen Konsequenzen unklar, unter denen in Zukunft für die internationale Zusammenarbeit stattfinden soll.   

 

The Consequences of Obliteration Bombing - Die Konsequenzen des alles zerstörenden Bombardements

Welche Wirkung haben die Massenbombardierungen für uns selbst? Was bedeuten Sie für Deutschland, deren Zivilbevölkerung, die schon mehr als eine Million Opfer beklagen muss, deren Städte schon mehr verwüstet und zerstört sind als es die Schlachtfelder des ersten Weltkriegs von 1914 bis 1919 in Frankreich waren?  

Die Ergebnisse für uns haben möglicherweise zwei Seiten. Die eine ist die momentane Spekulative und die andere wird mit Sicherheit die Realität sein. Physisch werden wir möglicherweise unter teuren Vergeltungsschlägen leiden, besonders dann, wenn sie von einem verzweifelten und bereits geschlagenen Gegner kommen als das letzte Aufbäumen. Moralisch sind wir bereits beteiligt an einer Entwicklung zurück in kulturlose Zeiten, die sich in schlimmen Worten und abgestumpften ungenauen Bombardements zeigen ohne selbst auch nur gefühlsmäßig darunter zu leiden.        

Die Times berichte über einen Berliner Empfang am 28. September 1943 und was Reichsaußenminister von Ribbentrop meinte:

"Die Zukunft wird zeigen, ob Churchills Idee eines Bombenkriegs gegen die Zivilbevölkerung gut oder schlecht ist. Jede einzelne Bombe, jedes zerstörte Haus, jeder Tote machen die Deutschen mehr entschlossen, es den Briten heimzuzahlen." 

Am 13. Oktober 1943, nach 18 Monaten schweren zerstörerischen Bombardierens, Noel Panter gab im Daily Telegraph zu: "Innerhalb Deutschlands gibt es eine laute öffentliche Forderung nach Vergeltungsbombardierungen gegen England." Vierzehn Tage später, am 25. Oktober berichtete die Times, dass Lord Trenchard in einer Rede zu den Besatzungen der fliegenden Festungen sagte: "Der Hunne (gemeint war umgangssprachlich der Deutsche) steht stärker auf, das glauben viele Menschen, aber er wird mit der Zeit gehen, wie er es immer tat."    

Wir sollten gut nachfragen, was Lord Trenchards Idee war hinter der Redewendung "er wird mit der Zeit gehen" im Zusammenhang mit dem Todeskampf der deutschen Kinder und ihren Eltern. 

Am 15. November 1943 berichtete die Evening News über ein "Hasse England"-Treffen in Mannheim. 

"Mehr als 30.000 Menschen, sie trugen Spaten und Äxte, besuchten die Veranstaltung, auf der Robert Ley, der Chef des Reichsarbeitsdienstes, die Rede hielt, bevor die Beseitigung des Schutts, verursacht durch alliierte Luftangriffe begann - so berichtete das deutsche Radio heute. Der Sender Paris meldete, die Kundgebung war einberufen, um den Hass gegen Groß-Britannien zu zeigen und gegen die Blutzoll fordernden Bombardements auf Deutschland zu protestieren."

In einer BBC-Diskussion am 30. Juni 1943, meinte Ellen Wilkinson: "Der Gegner muss mit Blick auf unsere fürchterlichen Luftangriffe entweder zurückschlagen oder seine Schwäche anerkennen." Selbst einer unserer Minister, der Innenminister, gibt zu, dass die Vergeltung für die Luftangriffe einen schweren Verlust an Menschenleben in der britischen Bevölkerung hervorrufen könnte innerhalb des Prosseses "den Krieg zu verkürzen" durch experimentierendes Bombardieren, was vom Erzbischof von York und anderen gut geheißen wird. (Der frühere Erzbischof von Canterbury und der Bischof von Chichester haben gegen diese Politik im Parlament gesprochen.)    

Die Übernahme der Verhaltensweisen des Gegners, die wir bereits beklagten, ist nur ein Kennzeichen für den moralischen Niedergang nach zwei Jahren Praxis mit zunehmenden Grausamkeiten und die Verdorbenheit der Jugend, für welche diese Zusammenfassung viele Beispiele nennt. Mein Papst sprach zu 19 Kardinalen an seinem Geburtstag im Juni 1943 und meinte ehrlich:  

"Die unverhältnismäßige Zunahme der Brutalität des Krieges, ohne zu unterscheiden zwischen militärischen und zivilen Zielen, und die zunehmende Gewalt mittels Kriegstechnik, lässt uns an die Opfer denken. Das unerbittliche Hochschaukeln von Angriff und Vergeltung führt zum Nachteil nicht nur für ein paar bestimmte Menschen, sondern gereicht zum Nachteil für die Gemeinschaft aller Nationen."

Eine andere Beobachtung zeigt die nicht zu argumentierte Art des Massenbombardierens bis ins Totalitäre. Vom Kontinent traf ein Brief im letzten September ein. Visser t'Hooft, der Sekretär des Weltverbandes der Kirchen schrieb u.a. in seinem Brief, der am 13. Dezember 1943 veröffentlicht wurde: 

"Die volle Wirkung des Totalen zeigt nur, dass das Totale selbst der Fehler ist. Der totale Krieg beschleunigt die zunehmende Zerstörung bis zu einem exorbitanten Ausmaß. Der totale Krieg wird zeigen, dass die Überlebenden, die Starken, die Gesunden, nach ihrem eigenen Recht leben werden. Sie werden nicht mehr freudiger Laune sein. Ein Familienleben wird es nicht mehr geben, weil alle nur noch für das Militär leben. Es wird evakuiert und transportiert werden. Das mitleidlose Morden eines totalen Krieges wird sich auf alle Berufe auswirken, so dass schließlich nur noch ein Proletariat übrig bleiben wird."        

"Es muss hinzugefügt werden, dass die Massenbombardements, welche ganze Städte auslöschen, jedoch eine Wirkung haben. Männer und Frauen, die noch ein Heim und eine Arbeit hatten, welche verteidigt werden musste, haben plötzlich nichts mehr zu verlieren und finden sich wieder in der Masse der Entwurzelten Kreaturen, welche unbedarft zu passiven Spielsachen der politischen und militärischen Kräfte werden, zu denen sie selbst nicht gehören. Gleichzeitig kreieren die Massenbombardements das Bild einer totalitären Gesamtwelt. Es entsteht der Glaube, dass kein Land länger Respekt vor dem menschlichen Leben zeigt und moralischen Grundsätzen. Es scheint  nichts mehr zu existieren als der totale Krieg aller gegen alle." 

Und was ist das endgültige Ende? Macht uns kein Umstand die Abscheulichkeit und die Einsamkeit klar, die das Bomber-Kommando aufbaut für die Zeit nach dem Kriege in Europa? Der nationale Nachrichtenbrief vom 5. Juli 1943 warnte seine Leser: "Wenn die Wolken des Krieges vorüber gezogen sind, dann wird in Deutschland eine fürchterliche Zerstörung in physischer wie in psychischer Hinsicht zu sehen sein. 

Der Beobachter fügte am 30. Juli 1943 hinzu:

"Wir werden es so lange nicht wissen, bis wir Deutschland besetzen, wie groß der Schaden ist, den unsere Bombardierungen angerichtet haben. Derzeit erzählen unsere Fotos die Wahrheit. Es ist jedoch immer weniger als die wirkliche Wahrheit. Das hat sich schon laufend wiederholt, als wir in Afrika gegnerische Gebiete besetzt haben. Sizilien beweist, dass unsere Annahmen immer eine beachtliche Untertreibung sind."

Es ist kaum überraschend, dass Mr. John Masefield, der Dichter Laureate, seine Zuhörer in einer Rede während des Jahresfrühstücks des nationalen Buchverbandes am 26. Oktober 1943 warnte: "Europa schwankt am Rande einer dunklen Zeit und kann die dunkelste Zeit bekommen, die es je gegeben hat." 

 
Die Hansestadt Lübeck brennt

 

American Postscript by John Nevin Sayre - Amerikanische Nachbemerkungen von Nevin Sayre

Unterschiedlichste Maßnahmen wurden vorgeschlagen, um den Horror und die Grausamkeit von Bombardements zu mildern. Aber keine von ihnen kann den Pazifist befriedigen, der den Standpunkt vertritt, diese Kriegsmethode aufzugeben wie auch die Blockaden, der alles ablehnt an kriegsunterstützenden Plänen, welche darauf angelegt sind, die Kinder und Zivilisten zu treffen. Wir haben die erlaubten aber begrenzten Nahrungshilfen in Griechenland unterstützt, die lindernde und erlaubte Arbeit der Quaker in Frankreich, die Vorschläge des Hoover-Ausschusses, um solche Arbeit in den kleinen Ländern Europas auszudehnen, den Taft-GiRette Gesetzentwurf, etc. Heute wollen wir die Aufmerksamkeit für eine Reihe von Vorschlägen zu den Bombardierungen erlangen, die uns von großem Wert erscheinen.    

Darunter sind Übereinkünfte, vom Bombardieren offener Städte Abstand zu nehmen. Präsident Roosevelt sprach am 1. September 1939 einen dringenden Appell an alle Regierungen aus, die möglicherweise in Feindseligkeiten verwickelt sind, festzustellen, dass ihre militärischen Kräfte in keinem Fall und unter keinen Umständen Bombardements gegen die Zivilbevölkerung oder verteidigungsunfähige Städte unternehmen würden unter der Voraussetzung, dass die Regeln der Kriegsführung bei allen Opponenten ohne Wenn und Aber beachtet werden." Am 18. September und am 1. Dezember wiederholte er den Appell. Am 1. Mai 1940 sagte er vor dem amerikanischen Roten Kreuz:      

"Das Bombardieren von hilflosen und ungeschützten Zivilisten ist eine Tragödie, welche für die gesamte Menschheit ein Horror ist. Ich erinnere mit Stolz daran, dass die USA beständig die Führung darin übernommen haben, alle Nationen anzuspornen, diese inhumane Praxis zu verbieten. Ich bin froh, dass das internationale Rote Kreuz, in seinem Treffen 1938 in London gemeinsame Beitrittsschritte für die Regierungen vorgeschlagen hat, um diese Gräueltaten in Zukunft zu vermeiden."  

Die USA hielten sich daran. Einige Wochen nach Pearl Habor wurden die Japaner von General MacArthur gebeten, den Status von Manila als offene Stadt zu beachten und kein Bombardement auszuführen - ein Appell, der von ihnen respektiert wurde. Davor hatten die Nationalsozialisten 1940 Paris als eine offene Stadt behandelt, obwohl sie die Lufthoheit hatten. Sollen wir das vergessen? Wie der News-Chronicle am 10. August 1943 brachte: "Wollen wir unsere Unfähigkeit anerkennen, noch nicht einmal deren Grundsätze zu haben?"  

Ein abweichender Vorschlag zu "offenen Städten" ist der des Ausschusses "für die Begrenzung von Bombardements und Schutzgebiete" in Gross-Britannien. Der Kern wird im folgenden wiedergegeben:

"Humanitäre Sichtweisen verlangen die Anerkennung von Schutzgebieten durch kriegführende Parteien. In diese Schutzgebiete können Kinder, Frauen und ältere Menschen evakuiert werden aus den Städten, die militärische Ziele sind und bombardiert werden. In diesen Schutzgebieten sollten keine Kampfhandlungen stattfinden, so dass ein angstfreies Leben in Sicherheit und sich wohlfühlende Kinder möglich sind. Diese Schutzgebiete sind besonders lohnend für Versehrte und Menschen mit hoher Sensibilität, welche unter Angstzuständen leiden und die Befürchtung haben, aus finanziellen Mitteln nicht aus den angegriffenen Gebieten ausreisen zu können.

Die Schutzgebiete sollten 150 Kilometer entfernt vom Ruhrgebiet und anderen Industriestädten eingerichtet werden. Es wäre von Vorteil, wenn Städte ausgesucht werden können, die keinerlei militärische Bedeutung haben und deren Eisenbahnlinien nicht für wichtige Transporte eine Rolle spielen. Zum Beispiel, Bonn, Homburg, Baden-Baden, Heidelberg und andere Universitätsstädte und Kurstädte könnten das sein. In Italien würde es überhaupt keine Probleme geben, Städte ohne Industrie zu finden und als Schutzgebiete einzurichten.

Um abzusichern, dass die Schutzgebiete ohne militärische Einrichtungen bleiben, könnte eine internationale Beobachtergruppe, aus neutralen Staaten gebildet, eingesetzt werden. Das Ganze könnte unter der Kontrolle des internationalen Roten Kreuzes oder einer neutralen Kommission des Vatikans gestellt werden. Der spanische Bürgerkrieg ist ein Beispiel dafür, dass internationale Beobachter zufriedenstellend arbeiten können.

Einzelheiten sind angefügt, wie die vorgeschlagenen Schutzgebiete gekennzeichnet und aus der Luft erkannt werden können.  

Selbstverständlich können Argumente gegen die vorg. Vorschläge eingebracht werden und es ist klar, dass bei der Umsetzung nicht alles ganz ohne Hindernisse ablaufen kann. Aber die eigentlichen Probleme liegen doch in der Demoralisierungsstrategie, zu der unsere Völker herab gesunken sind. Unsere Führer könnten etwas dafür tun, in dem sie die verwüstende Bombardierung von Kindern und der Zivilbevölkerung vermeiden, wenn sie denn den Willen haben, es auf diese Art und Weise zu realisieren. 

Diese Situation ist gefährlich aufgeladen, denn es könnte die Versuchung bestehen, gegen Deutschland und für den USA-Feldzug im Pacific Giftgas einzusetzen. Dass wir nahe diesem Punkt sind, machen einige Presseartikel deutlich, die in letzter Zeit erschienen sind und als Versuchsballon platziert wurden. Am 20. Dezember brachte Newsweek einen Artikel von Ernest K. Lindley, einem bekannten Kolumnist aus Washington, unter der Überschrift: "Gedanken zum Gebrauch von Giftgas in der Kriegsführung." Der Artikel beginnt mit die Absätzen: 

"Eine Woche ist vergangen nach der Eroberung der Insel Tarawa. Admiral Pratt gab einen Erfahrungsbericht. Entsprechend seinen Aussagen hielt unser Reporter fest: "Nach einer umfangreichen Befragung fügte er - Admiral Pratt - hinzu, dass der Einsatz von Giftgas seine Truppe in die Lage versetzt hätte, Tarawa ohne Opfer einzunehmen."   

"Wenn wir mit Senfgas gefüllte Bomben abgeworfen hätten, dann wäre die Insel so umfassend umgepflügt worden, dass kein gegnerischer Soldat überlebt hätte. Nach vier oder fünf Tagen, das wäre die Zeit für die Verflüchtigung des Giftgases, hätten die Marinesoldaten ohne Gegenwehr den Strand betreten können. Am Ende wäre jeder Japaner auf Tarawa entweder umgekommen oder er hätte sich selbst umgebracht. Möglicherweise wären ein paar japanische Soldaten in Gefangenschaft gegangen, weil diese ohnmächtig oder verwundend gewesen seien. Aber nun kostet uns der Sieg viele Tote und Verwundete unserer tapfersten Jugendlichen." 

"Bei unserem Feldzug durch den Pazifik würde der Gebrauch von Giftgas den Vormarsch beschleunigen und so gut wie keine Opfer mehr auf unserer Seite fordern. Die kleinen Inseln des Pazifik passen zu dieser Strategie. Wir haben ausreichend Kapazitäten für den Transport mit Flugzeugen, die mit Bombardements der Marine die meisten der als Außenposten von Japan besetzten Inseln zuschütten könnten."

Der Montreal Tages Stern druckte am 23. Dezember eine Mitteilung aus Washington ab, die einen Absatz von Major General William N. Porter, dem Chef für die chemische Kriegsführung, enthielt. Er wurde wie folgt zitiert:

"Wenn wir nur ein wenig riechen sollten vom Giftgaseinsatz unserer Gegner, dann werden wir möglicherweise unsere Gedanken zum Einsatz von Giftgas ändern. Wir werden es einen enormen Vorteil erlangen beim Einsatz von Giftgas durch unsere Ressourcen für den chemischen Krieg. Sollte der Krieg mit chemischen Mitteln aufgenommen werden, dann sind wir für eine große Überraschung gut."  

Obwohl der Artikel feststellt, dass Präsident Roosevelt bestrebt ist, die Gaswaffe nicht einzusetzen, wenn die Deutschen und die Japaner keinen Gebrauch davon machen, müssen wir jedoch in Betracht ziehen, dass wir möglicherweise aufgrund fehlerhafter Wahrnehmung meinen, dass der Gegner etwas Teuflisches begonnen hat, was jedoch nicht stimmen könnte, nur ein Unfall ist oder durch andere Umstände zustande kam. Wenn uns dann die Sicherung vor lauter Angst und Verdächtigungen durchbrennt, kann ein Teufelskreis aus Angriff und Vergeltung entstehen. Es könnte auch eine Situation  arrangiert werden, die den Gegner so erscheinen lässt, als würde er Giftgas anwenden. Sogar das wäre noch nicht einmal erforderlich angesichts der Misshandlungen amerikanischer Gefangener durch die Japaner. "Giftgas", das könnte gesagt werden, "ist eine vertretbare Gegengabe." Die öffentliche Meinung könnte weiter beeinflusst werden mit Propaganda wie, - dass die meisten Japaner sich sowieso selbst umbringen, um nicht in Gefangenschaft zu gehen und falls wir Giftgas einsetzten, würde das nur ihre Leidenszeit abkürzen und wir könnten den Tod vieler eigener junger Soldaten vermeiden. Wir könnten ja mit einem Versuch bei einer kleinen Insel starten. - Aber wo würde dieser unmoralische Weg hinführen? Wir würden moralisch tiefer und tiefer sinken und zum Schluss sogar Ziele wie Tokio, Osaka, Kobe oder andere Städte mit Giftgas ersticken? 

Ist es den Kirchen und Christen bewusst, dass sie Schachfiguren der Militärs und deren Strategien sind? Werden sie gegenüber allem Ja und Amen sagen? Churchill sagte dem Parlament: "Es gibt keine Grenze für unsere Gewalttätigkeit." Der Christ sagt: "Außer denen, die bereuen, werden alle nach und nach umkommen." Welchen Führern wird die Kirche heute und in Zukunft folgen?  

Während sich dieser Aufsatz nur mit einem Teilaspekt der modernen Kriegsführung beschäftigt hat, wollen wir keinen Moment außer acht lassen, dass das christliche Bewusstsein, welches vorhanden ist, dafür sorgen kann, dass es für offene Städte, Gebiete mit Flüchtlingen und dem Einsatz von Giftgas Regeln der Menschlichkeit gibt. Dieses Bewusstsein sollte Druck ausüben, zur gleichen Zeit gute Taten vollbringen und die Menschheit davon abbringen, überhaupt Kriege zu führen, weil sich diese nicht mit der christlichen Religion und Ethik vereinbaren lassen.    

Die einzige richtige Alternative, um den Massenmord durch Blockaden, Bombardements und Invasionen eines Kontinents zu verhindern, ist der Wille, ein Teil der Vereinten Nationen zu sein, einen unaufgezwungenen und kreativen Frieden auf der Basis von Gleichheit für alle Menschen zu gestalten. Genau das müssen wir entsprechend der letzten Erkenntnisse tun, und dafür müssen wir ohne nachzulassen kämpfen, wenn nicht die gesamte Zivilisation in Flammen aufgehen soll.

 

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