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Aufrechnung der Opfer - jeder hat seine eigene Wahrheit? - Minis anklicken!

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Aus einem deutschen Geschichtsatlanten   1   2   3   4   5   6

George Bernard Shaw schrieb am 28.11.1943 an den "Sunday Express" einen Brief: 
"Das schnelle Ausradieren der Städte hat den Krieg zu einem Höhepunkt höllischer Scheußlichkeit geführt, 
so dass Gegenbeschuldigungen mit Gegenrechnungen lächerlich (dumm) erscheinen. 
Die Deutschen werden genauso eine Rechnung mit Scheußlichkeiten von uns haben wie wir gegen sie, 
wenn wir sie vor ein neutrales internationales Gericht bringen.


Keiner, der sich am Krieg beteiligt, bleibt ohne Schuld! 

Im Zusammenhang mit Krieg und den in ihm ausgeführten Schandtaten stellen sich immer wieder Fragen. Wie kommt es, 

  • dass "gebildete" Menschen einer "zivilisierten" Gesellschaft keinen anderen Ausweg sehen als andere Menschen zu morden?
  • dass sich die sog. Intellektuellen den Machenschaften einiger Kriegstreiber anschließen, ihr Wissen, ihre Fähigkeiten und Kreativität für den Massenmord einbringen?
  • dass gegen alle Vernunft Menschenleben ausgelöscht, Kulturgüter vernichtet und endliche Ressourcen verschwendet werden?
  • dass junge Menschen legitimiert und gezwungen werden, ihnen unbekannte Menschen, umzubringen?
  • dass sich ganze Völker manipulieren lassen in ihrem Hass gegen andere Nationalitäten, Kulturen und Religionen? 

Krieg ist die größte anzunehmende von Menschenhand mit voller Absicht herbeigeführte Umweltkatastrophe für die Menschheit selbst, Tiere und Natur. Zynische Sprüche wie: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge", verharmlosen einen Zustand, der am Ende keinen Gewinner, sondern lediglich Verlierer kennt. Jeder Krieg ist ein Verbrechen und kann weder ethisch, noch moralisch gerechtfertigt werden und wenn sich Philosophen und Juristen in ihrer Argumentation noch so verbiegen.  

Nach kriegerischen Auseinandersetzungen kommt es immer wieder zu endlosen Diskussionen zur Schuldfrage, der Bewertung der Handlungen und moralischen Rechtfertigungsarien. Um den eigenen Standpunkt als den einzig richtigen darzustellen, werden Schandtaten gegen Schandtaten und Tote gegen Tote aufgerechnet. Diese Aufrechnungen säen dann neuen Hass und sind nichts anderes als die Fortsetzung des Krieges mit rhetorischen Mitteln. Darüber müssen sich alle im klaren sein, die immer wieder der anderen Seite unterstellen, angefangen, grausamer und unmoralischer gewesen zu sein.

Hauptmann Edwin Swales, der den Angriff auf Pforzheim am 23. Februar 1945 leitete, ist ein Beispiel für die Doppelmoral kriegerischer Handlungen. Edwin Swales erhielt postum eine der höchsten Auszeichnungen, das Victoria Kreuz, weil er seine Mannschaft rettete und als kommandierender Offizier den Angriff auf Pforzheim "erfolgreich" ausführte. Es blieben über 17.000 Tote und eine nahezu komplett zerstörte Stadt zurück. Edwin Swales war Südafrikaner. Unmittelbar nach dem Ausbruch des 2. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zum Mitlitär und war an kriegerischen Handlungen in Abessinien und Ägypten beteiligt. Er bewarb sich dann bei der südafrikanischen Luftwaffe und ging von dort zur Royal Air Force, um Bomberkommandant zu werden. 1944 und 1945 flog Swales Einsätze gegen deutsche Städte u. a. im Ruhrgebiet. Der Angriff am 23. Februar 1945 gegen Pforzheim war sein 43. Einsatz. Dieser Angriff sollte sein letzter Einsatz werden. Beim Rückflug vom Tatort explodierte der Masterbomber über Belgien, wobei Edwin Swales den Tod fand.


Edwin Swales - was geht in einem jungen Menschen vor, der mithilft, anonym Tausende umzubringen?

Wer den Namen Edwin Swales in eine Internetsuchmaschine wie z.B. Google eingibt, erhält ein großes Angebot an Seiten. Die meisten Seiten sind jedoch nicht dem Bomberpiloten gewidmet, sondern haben seinen Namen in ihrer Adressenangabe. Südafrika ist stolz auf seinen heldenhaften Sohn. Straßen, Plätze, Industriegebiete und vieles mehr sind nach ihm benannt. Seine "Heldentaten" sollen in Erinnerung bleiben.


Edwin Swales Business Park - Cato Manor - Südafrika

Verehrt wird Swales insbesondere deswegen, weil er sein eigenes Leben opferte, um seine Mannschaft zu retten. "Der schwer beschädigte Leitbomber des Pforzheimer Angriffs verlor an Höhe und Geschwindigkeit. Swales befahl seinen Leuten abzuspringen, während er selbst die Maschine in eine günstige Absprungposition steuerte. Nachdem die Mannschaft abgesprungen war, kollidierte der Bomber mit Starkstromleitungen und explodierte, wobei Swales ums Leben kam." Aus der vereinfachenden Sicht der "Heldenverehrer" ist die Handlung von Swales eine "Heldentat" ohne wenn und aber.

Über die Person Edwin Swales gibt es keine Informationen, zum Beispiel welcher Art Mensch er war. War er nur ein Hasardeur, der seine Abenteuerlust befriedigen wollte oder ein Mensch mit hohem moralischen Anspruch an sich selbst, der seine kriegerischen Taten mit internalisierten Normen rechtfertigte? Es kann aber auch so gewesen sein, dass sich der junge Mann ganz einfach treiben ließ vom Strom der Zeit und den gebotenen Möglichkeiten. Fakt ist, dass nur er, nur er alleine hätte erklären können, was ihn dazu brachte, freiwillig in einen Bomber zu steigen, um anonym zu töten.

Swales hat seine Opfer nie von Angesicht zu Angesicht gesehen. Seine Opfer bestanden für ihn aus Zahlen. Zahlen, die seinen "Erfolg" und den Tod unbekannter Menschen beschrieben. 


"Leichensammelstelle" nach dem Angriff auf Dresden 

Es kann davon ausgegangen werden, dass keinem der Beteiligten zum Zeitpunkt der Angriffe auf deutsche Städte das wahre Ausmaß für die deutsche Zivilbevölkerung bekannt war? Erst nachdem die Alliierten deutschen Boden betreten hatten, konnten sie sich eine Vorstellung über das unsägliche Leid bilden, welches die deutsche Zivilbevölkerung durch die Flächenbombardements erlitten hatte? Dass Arthur Harris -> hier unmittelbar nach Kriegsende ohne die üblichen Ehrungen in den Ruhestand versetzt wurde, ist ein Hinweis darauf, dass der militärische Sinn der Bombardements - insbesondere in den letzten Monaten des Krieges - nicht unumstritten war. Selbst Churchill meldete am 28. März 1945 Bedenken an und schrieb sinngemäß an den britischen Generalstab:

"Für mich scheint der Moment gekommen zu sein, die Bombardierung deutscher Städte nur um des Terror willens, auch im Zusammenhang mit den Vorwänden dafür, zu überdenken. Ansonsten werden wir die Herrschaft über ein Land übernehmen, welches völlig zerstört ist. Wir werden zum Beispiel nicht die Möglichkeit haben, Baumaterial aus Deutschland für unsere eigenen Zwecke einzusetzen, da eine Zeit lang Vorkehrungen für die Deutschen selbst getroffen werden müssen. Die Zerstörung von Dresden bleibt eine ernste Frage im Zusammenhang mit dem Verhaltenskodex zur Ausführung der alliierten Bombardements. Ich bin der Meinung, dass wir uns ab sofort verstärkt den militärische Zielen widmen müssen und dieses mehr noch in unserem eigenen Interesse als im Interesse des Gegners. Der Außenminister hat mich auf dieses Thema angesprochen und ich halte die unbedingte Konzentration auf militärische Ziele, wie Treibstoffvorräte und Kommunikationseinrichtungen unmittelbar hinter der Front für effektiver als die mutwillige Zerstörung." -> hier

Das Dokument ist mit "withdrawn" gekennzeichnet, was so viel wie Rücknahme bedeutet. Es deutet alles darauf hin, dass das Memorandum keine Wirkung zeigte und zurückgezogen wurde, so, wie gar nicht geschrieben.

Edwin Swales hat Befehle ausgeführt und anonym getötet. Seine Handlungen waren, wie bei Soldaten üblich, auf die Ausführung von Vorgedachtem beschränkt. Er hat sich mit seinem Team in ein Flugzeug gesetzt, um für Frachtmaschinen den Punkt des Frachtabwurfs zu bestimmen. Was unter normalen Umständen eine  Aktion ohne Besonderheit ist, wird in Kriegszeiten zum heldenhaften Verhalten hochstilisiert, weil der Frachtabwurf mit einem erhöhten Risiko verbunden ist, statt wie bei einer Hilfsaktionen Menschen am Leben erhält, Menschen tötet.

Swales war es nicht mehr möglich, den angerichteten Schaden in Pforzheim in Augenschein zu nehmen, mit Überlebenden zu sprechen, noch das Victoria Kreuz - VC - zu tragen. Mit seiner postumen Ehrung haben sich lediglich seine Befehlshaber nochmals ins Rampenlicht gestellt.  

Was wird die Mutter von Edwin Swales empfunden haben als sie das VC ihres Sohnes erhielt mit der Gewissheit, ihren Sohn nie wieder in die Arme schließen zu können? Was wird sie gedacht haben als sie von den Opfern der Bombenabwürfe ihres Sohnes erfuhr? Das geschieht denen recht, die das Leben meines Sohnes auf dem Gewissen haben oder warum ist er in den Krieg gezogen und hat bei diesem sinnlosen und menschenverachtenden Treiben mitgemacht?

Swales wäre wahrscheinlich kein Held geworden, wenn das Unwahrscheinliche eingetreten wäre und Deutschland den Krieg "gewonnen" hätte. Die Argumentationen hätten sich umgekehrt und auch die Heldentaten. Straßen, Plätze etc. würden die Namen deutscher "Helden" tragen. Da das Ereignis des deutschen "Sieges" nicht eingetreten ist, kann darüber allerdings nur hypothetisch gesprochen werden.

Swales bleibt so für die einen ein Held mit höchster Auszeichnung und für die anderen der zigtausendfache Todesbringer. Egal wie die Version lautet, weder Swales noch seine Opfer sind in irgendeiner Form persönlich davon betroffen, denn sie haben den Krieg nicht überlebt. Edwin Swales und seine Opfer haben ihre Leben vorzeitig hergeben müssen für den größten Wahnsinn, den sich Menschen ausdenken können, den Krieg.

Das Victoria Kreuz


Der Krieg aus der britischen Sicht

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Museum in London, 31.01.2005, welches die Luftangriffe zum Themen-Schwerpunkt hat...

Promise of the museum on the homepage: 
"The Second World War was the most turbulent and eventful period in the history of the 20th century. It affected the lives of millions of people all over the world, advanced technology and changed political boundaries and ideas of human behaviour. But what was it really like? How did it really feel to be a British citizen during the Second World War? What did people eat and wear? Winston Churchill's Britain at War Theme Museum can answer these questions and many more." -> here

Museumsversprechen auf der Internetseite:
Der Zweite Weltkrieg war der turbulenteste und ereignisreichste Abschnitt in der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er berührte das Leben von Millionen von Menschen in aller Welt, brachte die Technik weiter und veränderte das politische Denken und das "menschliche" Verhalten. Aber wie war es wirklich? Wie fühlte sich ein britischer Bürger während des Zweiten Weltkriegs. Wovon ernährten sich die Leute und wie kleideten sie sich? Winston Churchills "Groß-Britannien-im-Krieg-Museum" beantwortet diese Fragen und vieles mehr. -> hier        


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