| Um
einen vollständigen Überblick zu geben, wird hier der Text der
"Friedensgruppen" wiedergegeben, der einer Rechtfertigung für
die alliierten Angriffe auf deutsche Städte gleichkommt. Bombenangriffe
auf Zivilisten sind jedoch nicht zu rechtfertigen! Bombenangriffe sind
Verbrechen an die Menschheit und die sie umgebende Umwelt mit Tieren und
Pflanzen!
Möge nach
Auffassung der Kritiker der Film "Code Yellowfin"
Informationen vernachlässigen und Informationen nicht immer korrekt
weitergeben, eines wird er jedoch beim Betrachter erreichen: "Das
Nachdenken über die Grausamkeiten eines Bombenkrieges und den
Widerstand gegen alle, die Bombenkriege als ein legitimes Mittel für
die Kriegsführung einsetzen!" Der nachstehende Text verleiht nachträglich den bombenden Nationen Argumente für die
Massenvernichtung von Menschen und Ressourcen. Im Text fehlt jeglicher
Hinweis darauf, dass die ihn tragenden "Friedensgruppen"
Bombenkriege verurteilen. Gerade von
Friedensgruppen, die sich zum Teil als Christen darstellen, muss der
Hinweis erfolgen, dass jegliches Kriegführen und Bombardieren als Verbrechen an
die Menschheit zu werten ist. Mit ihren Hinweisen befinden sich die
Verfasser auf der gleichen Ebene wie einst die Politiker Schröder, Fischer
und Scharping, die 1999 meinten, dass es für Deutschland an der Zeit
sei, wieder Bomben auf eine "feindliche" Bevölkerung zu
werfen. -> hier
Von Friedensgruppen - Frieden ist die Abwesenheit aller kriegerischen
Handlungen - darf mehr Achtung gegenüber den Opfern erwartet werden.
Die Beweisführung darüber, dass ein Film historisch nicht korrekt ist,
um dem schrecklichen Angriff vom 23. Februar 1945 im Nachhinein eine Art
Legitimation zu geben, ist nur schwerlich in Verbindung mit dem Begriff
"Friedensgruppe" zu akzeptieren.
So kommt der Text nicht über das Stadium
der Selbstdarstellung, Selbstgefälligkeit, der Besserwisserei, der Belehrung und der
unerträglichen Verallgemeinerung - alle Deutschen waren Nazis und haben
es verdient? - hinaus.
Beginn des Textes:
"Code Yellowfin" – fragwürdiges Erinnern in Film und Buch,
in Bronze und Ätztechnik
Der Film “Code Yellowfin” (1994/95)
und das Buch “Pforzheim Code Yellowfin” (1991) gelten seit über
zehn Jahren als die quasi offizielle Darstellung des 23. Februar 1945.
Vor allem der Film wirkt in die Breite, er wird alle Jahre wieder vor
dem 23. Februar vorgeführt und laufend an Schulen im Rahmen des
Geschichtsunterrichts gezeigt. Schon vor zehn Jahren gab es Kritik an
dem Film, Hinweise auf offensichtliche Fehler und noch mehr Fragen nach
dem, was der Film nicht zeigt bzw. verschweigt. Leider haben die
Verantwortlichen für den Film diese Kritik zwar zur Kenntnis genommen,
aber weder die Fehler beseitigt – was bei einem Video-Film einfach
wäre – noch die inhaltliche Kritik überhaupt nur diskutiert
geschweige denn gar berücksichtigt.
Was ist falsch ?
- Der Krieg dauerte nicht 4 ½, sondern 5
Jahre und 9 Monate.
- Die erste Bombardierung Pforzheims war nicht am 1.4.1941, sondern am
1.4.1944.
- Bis November 1944 waren nicht „etwa 100 Tote“ durch Luftangriffe
zu beklagen, sondern 179 Tote.
- Die Zielangabe „to destroy built up area and associated industries
and rail facilities“ heißt übersetzt eben nicht “anliegende”
Industriegebiete, sondern „eng anliegend, vereinigt mit, verknüpft“,
nur dies macht Sinn, denn die Fabriken waren ja mitten in der Stadt, in
jedem Hinterhof.
- Am 23.2.1945 gab es nicht dreimal,
sondern viermal Alarm „akute Luftgefahr“.
- Bei der Zahl der am 23.02.1945 auf Pforzheim abgeworfenen Bomben
widerspricht der Ton des Films dem eingeblendeten Text.
- Es wurden nicht 5 britische Flugzeuge abgeschossen, sondern 10, zwei
weitere stürzten auf dem Rückflug ab.
- Die zerstörte Rossbrücke ist nicht Ergebnis der Bomben des
23.02.1945, sie wurde auf Befehl der NS-Kreisleitung bei der unsinnigen
„Verteidigung“ der zerstörten Stadt im April 1945 gesprengt.
Was fehlt bzw. was wird verschwiegen ?
- Vor dem Überfall auf Polen fehlt der
Angriff auf Guernika am 26.04.1937, weil es in der Chronologie der
Luftkriegsgeschichte so war und die Städtepartnerschaft mit Guernika
sonst ihre Grundlage – beide Städte wurden Opfer des Luftkriegs –
verlöre.
- Nach dem Überfall auf Polen fehlt die
Luftschlacht gegen Großbritannien; zumindest ein Bild der zerstörten
Kathedrale von Coventry und der zynische NS-Begriff „coventrieren“,
d.h. Städte „ausradieren“, müssen vorkommen: Hitler 4.09.1940: „Wir
werden ihre Städte ausradieren“
- Im Film fehlen die Jahre zwischen 1940
und 1944: Der Krieg macht Pause ? Ganz Europa wird mit Krieg und Terror
überzogen, unzählige Städte werden bombardiert, Millionen Menschen
zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt, Millionen Menschen
ermordet – nichts davon im Film.
- Im Film fehlt, was zwischen 1940 und
1945 produziert wurde, es fehlt vor allem der 29.05.1942, als in
Pforzheim die Schmuck- und Uhrenindustrie endgültig auf Rüstung
umgestellt wurde.
- Es fehlen die für das Schicksal der
Stadt entscheidende Dokumente darüber, mit welchen Begründungen
Pforzheim auf eine Zielliste kam.
- Es fehlen die V-1- und V-2-Waffen, die
mit Teilen aus der hiesigen Rüstungszulieferer-Industrie produziert
wurden und am 23.02.1945 (!) und bis zum 29.03.1945 auf London
niedergingen.
- Der Film zitiert „finster blickende
Russen“, ohne Erklärung bestärkt er Vorurteile; es fehlt, dass damit
Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion gemeint sind, und zumindest der
Hinweis auf die Zahl und Behandlung der Zwangsarbeiter sowie deren Tote
am 23.02.1945 in Pforzheim.
- Es fehlt der Hinweis, dass mit einer
Ausnahme die Bilder der Horror-Sequenz nicht aus Pforzheim stammen. Bei
dem Bild der Leichen in der Weiherstrasse fehlt die Einblendung „Weiherstrasse,
Blick vom Turnplatz Richtung Herz-Jesu-Kirche“.
Ist der fragwürdige Film nur ein
Ausrutscher ?
Nach dem Buch von Moessner-Heckner und
dem Film „Code Yellowfin“ folgten Veröffentlichungen zum „Bombenkrieg“,
in denen der 23. Februar 1945 in Pforzheim eine Rolle spielt: „Der
Brand“ (J. Friedrich, 2002) und „Als Feuer vom Himmel fiel“
(Spiegel-Dokumentation 2003). Wissenschaftlich fundierte Kritik fiel
auch hier unter den Tisch:
- Das Buch „Der Brand“ genügt nicht
einmal Ansprüchen an einen Studienanfänger, der Autor hat es
unterlassen, die Veröffentlichungen zum Thema 23. Februar 1945 nach
1990 zur Kenntnis zu nehmen, meint aber zu wissen, dass Pforzheim „ohne
Rüstungsrelevanz war“ (S.112).
- Die Spiegeldokumentation kaut ohne
Beweise, Zitat-Angaben oder Hinweise auf Veröffentlichungen wieder, was
in die Geschichtsbücher und damit die Köpfe der folgenden Generationen
eingehen soll: Pforzheim sei eine „militärisch völlig bedeutungslose
Stadt“ (S.84) gewesen und wie andere Städte „nur deshalb
zerstört, weil sie noch unzerstört geblieben waren“ (S.30, von
Moessner-Heckner S. 11 übernommen).
- Die von Moessner-Heckner im Vorwort des
Buches „Code Yellowfin“ verkündete Wahrheit, der 23. Februar 1945
habe nichts mit der Rüstungszulieferer-Industrie zu tun, wird im Text
selbst zu einer höchst unsicheren Vermutung:
„Es scheint, dass...“ heißt es
gleich fünfmal, „es liegt nahe“ oder „wurden wohl“ sind
allenfalls vorsichtig formulierte Thesen (S.149 ff.).
Im Nicht-Wissen-Wollen sind sich
Film-Verantwortliche und Autoren einig: Es hätte keinen Grund gegeben,
so „kurz vor dem Waffenstillstand“ (Spiegel S.31) unsere Stadt zu
bombardieren. Die jeweiligen Autoren machen es sich einfach:
- Der Film sagt bzw. zeigt nichts zu den
Gründen, warum Pforzheim auf eine Zielleiste kam, obwohl die Dokumente
zur Beantwortung dieser Frage seit 1991 vorliegen.
- J. Friedrich, Autor von „Der Brand“,
und die Spiegeldokumentation nehmen die von Moessner-Heckner
veröffentlichten alliierten Dokumente vorsichtshalber nicht zu
Kenntnis, sondern lassen deren Vermutungen zu Gewissheiten gerinnen.
Die Wirkung in Pforzheim ?
In Pforzheim tut sich derweilen an
derselben Frage dasselbe:
Das Wort „Rüstungsindustrie“ wird
zum Unwort, es wird getilgt, es muss verschwinden: auf der Tafel auf dem
Wallberg und aus dem öffentlichen Gedächtnis – wider eigenes Wissen,
wider die alliierten Dokumente und wider die inzwischen vorliegenden
Veröffentlichungen über Zünderproduktion und Beteiligung der hiesigen
Industrie an den V-2-Waffen, die am 23.Februar 1945 selbst und dann noch
bis zum 29.März 1945 im Großraum London Zerstörung und Tod brachten.
Dreiste Geschichtslüge
Die jetzt aufgestellten
Erinnerungs-Stelen auf dem Wallberg sollen die Geschichtsbereinigung
vollenden: Auf der dort angebrachten „Chronologie“ gibt es weder die
Jahreszahlen 1933 bzw. 1939 noch Wörter wie „Nationalsozialismus“,
Hitler“, „Diktatur“, „Weltkrieg“ oder „Rüstung“ –
urplötzlich, unvermittelt und unerklärlich kommt der 23. Februar 1945,
als ob vorher nichts gewesen wäre.
Fazit:
Wenn es keine
Rüstungs-Zulieferungs-Industrie in Pforzheim gab (s.o.), gab es auch
keinen Grund für die Alliierten, Pforzheim auf eine Zielliste zu setzen
und – nach militärischer Logik - irgendwann auch zu bombardieren.
Wenn das wirklich so war, dann war
Pforzheim tatsächlich Opfer von „Einsatzgruppen“ bzw. „Massenvernichtungsgruppen“
(so nennt J. Friedrich die Angehörigen des britischen Bomber Comand).
Die sprachliche Nähe zur Holocaust-Begrifflichkeit ist offensichtlich:
Es waren die „Einsatzgruppen“, Sonderkommandos der SS, die im Osten
über zwei Millionen Menschen, Juden, Roma und als Partisanen
Verdächtigte, ermordeten.
Friedrich stellt so die Opfer der
alliierten Bombenangriffe den Opfern des nationalsozialistischen
Eroberungskrieges gleich, als ob es nicht Ursache und Folge gäbe: Die
Bomben auf deutsche Städte dienten einem bestimmten Zweck, nämlich der
Beendigung des NS-Terrors in Europa. Über die Wahl der Mittel dazu gab
und gibt es Diskussionen.
Gegen das Vergessen !
Gegen die verlogene Nabelschau !
Aber: Die Massenmörder und ihre
Helfershelfer denen gleichzustellen, die eben diesen Massenmördern in
den Arm fielen, bedeutet die Vertauschung von Ursache und Wirkung,
heißt Gleichsetzung von Opfer und Täter. Schon vergessen ?
Wer hat wen überfallen ?
Wer hat wen massenhaft ermordet ?
Was war zuerst: Guernika und Coventry oder Dresden und Pforzheim?
Wer hat bombardiert ?
Hat die polnische Armee Berlin
bombardiert oder doch die Wehrmacht 1939 Warschau ?
Hat die rote Armee deutsche Städte
umzingelt, 900 Tage bombardiert und ausgehungert oder doch die Wehrmacht
Leningrad (Anm.: heute Sankt Petersburg -> hier)
mit der Folge von über 600000 Toten?
Der Film „Code Yellowfin“
dokumentiert nicht das, was war, denn er verdreht und verfälscht
Tatsachen bzw. lässt sie einfach weg.
- Die Bücher von Moessner-Heckner und
Friedrich sowie die Spiegel-Dokumentation arbeiten mit derselben
Methode: Behauptungen ohne Beweise, Geschichtslügen durch Weglassen.
- Die Autorin Moessner-Heckner wurde von
der Salon-Nazi-Postille „Junge Freiheit“ (06.12.2002) anerkennend
interviewt und von der rechtsradikalen „Deutschland-Bewegung“
anschließend als Kronzeugin zitiert. Das Buch von Friedrich ist in der
„Nationalzeitung“ des DVU-Verlegers Frey positiv besprochen.
Literatur
(in der Stadtbücherei auszuleihen,
vollständig zu lesen und mit Vorsicht zu „genießen“ – „sapere
aude“ d.h. „Wage, dich deines Verstandes zu bedienen“, sagte der
Philosoph Kant, der vor 210 Jahren seine Schrift „Zum ewigen Frieden“
zum Thema Kriegsvermeidung veröffentlicht hat)
- Schmalacker-Wyrich, Esther (HRSG), Der
Untergang einer Stadt, Pforzheim, 1963 (inzwischen 6. veränderte Aufl.
1995)
- Zier, Hans Georg, Geschichte der Stadt Pforzheim, Stuttgart, 1982
- Groehler, Olaf, Bombenkrieg gegen Deutschland, Berlin, 1990
- Moessner-Heckner, Ursula, Pforzheim Code Yellowfin, Sigmaringen, 1991
- Groehler, Olaf, Zielort Pforzheim – Alliierter Bombenangriff 1945,
Pforzheim, 1992
- Behner, Udo, Die Katastrophe kam am 4408. Tag, Pforzheim, 1995
- Behner, Udo, Pforzheim 23. Februar 1945 – Das Unbegreifliche
begreifen, Pforzheim, 1999
- Behner, Udo, Pforzheim – die Stadt, die mit ihrer Geschichte nicht
umgehen kann, Pforzheim, 2002 (ungedrucktes Redemanuskript)
- Friedrich, Jörg, Der Brand. Deutschland im Bombenkrieg 1940-1945,
Berlin-München, 2002
- Neillands, Robin, Der Krieg der Bomber. Arthur Harris und die
Bomberoffensive der Alliierten 1939-1945, Berlin, 2002
- Burgdorff/Habbe (HRSG), Als Feuer vom Himmel fiel
(Spiegel-Dokumentation), Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für
politische Bildung, Bonn, 2004
- Der Film „Code Yellowfin“ ist beim Medienzentrum
Pforzheim-Enzkreis (Eingang Kronprinzenstrasse 9) auszuleihen.
Über Pforzheim heißt es im
Zielinformationsblatt vom 28.Juni 1944:
„Die wirtschaftliche Wichtigkeit des
Ziels (Pforzheim) besteht jedoch in den Transportanlagen für den
Transport der Güter, die in der Stadt hergestellt werden“ (in:
Moessner-Heckner S. 35 und 38)
Welche „Güter“ 1944 in Pforzheim hergestellt wurden, steht im „Bomber’s
Baedeker“ vom Mai 1944:
„fuzes“, d.h. Zünder (in Moessner-Heckner S. 41 f.)
Quelle: Deutsche Friedens-Gesellschaft /
Friedens-Initiative/ Pax Christi /Freundeskreis Schalom zum 23. Februar
2005 Pforzheim
(Gerhard Brändle)
Leserbrief des Verfassers vom 04.03.2006
-> hier |